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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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„Von ihr? Unmöglich. Aber ich beargwöhne Andere; ich fürchte, man mißbraucht ihr aufopferndes, liebevolles Gemüth.“————

„Wie und wann trafen Sie Selma?“

„Ich ging, um St. Orme zu ſprechen, da kam ge⸗ rade ein mit einem weißen Shawl verhülltes Frauenzim⸗ mer aus ſeinem Zimmer. Ein Paar unanſtändige, junge Bengel ſuchten es aufzuhalten. Ich befreite es von ihnen, und da ich ſah, daß es zitterte, ergriff ich es bei der Hand, um es hinabzubegleiten, und erkannte———— Fräulein Selma. Sie riß ſich los und entfloh ſo eilig, daß ich ihr kein Wort ſagen konnte. Folgen wollte ich ihr nicht——— Aber nun muß ich wiſſen, warum ſie dort war?“

In möglichſter Kürze ſetzte ich den Freiherrn von dem Stande der Sachen in Kenntniß. Wir ſahen nun, daß Selma, von einer plötzlichen Eingebung ergriffen, um Flora zu retten und ein Rencontre Lennartſons mit St. Orme zu hindern, nach der Wohnung des Letztern geeilt war, einzig ihrem Enthuſiasmus, ihrer aufopfernden Liebe Gehör ſchenkend.

Durch welchen Talisman es ihr aber gelungen war, St. Orme den Schatz zu entlocken, den er ſo lange mit dem gierigen Blicke eines Drachen bewacht hatte, das war uns unbegreiflich.

Tief erſchüttert wurde Lennartſon, als er Selma's gegenwärtigen Zuſtand erfuhr. Da der Abend ſchon ſehr vorgerückt war, mußte er gehen.„Ich werde morgen in aller Frühe wieder kommen,“ ſagte er. Er fragte auch noch nach Flora, ſchien aber kaum meine Antwort abzu⸗ warten. Oh, es wird mir immer deutlicher, welche er liebt.