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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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„Du biſt frank, Selma! deßwegen ſehen Dich Alle ängſtlich an. Aber Du ſelbſt ſiehſt wie ein guter Engel aus und das biſt Du auch.“

„Ja, das ſagſt Du. Aber er weiß es wohl beſſer, er, der mich dort ſah———— Er würde mich ge⸗ tödtet, würde mir ſeinen Spieß in's Herz gerannt haben, wenn ich nicht geflohen wäre. Zch floh vor ihm, freilich⸗ aber ich fühlte doch, daß es mit mir aus iſt, daß ich ge⸗ brandmarkt bin, und die ganze Welt vor mir floh, weil ich ſoh————— 5

„Du darfſt jetzt nicht ſo viel reden, Selma! Du ſoll⸗ teſt verſuchen, einzuſchlafen.“

„Schlafen? Nein, nie mehr werde ich ſchlafen. Oh, es brennt zu ſehr hier(mit der Hand an die Stirne deu⸗ tend). Und überall ſehe ich den Blick,———— den Blick! Der hält mich wach bis zum Tage des Gerichts. Nein, nie kann ich mehr ſchlafen!“————

Während ich dieſen entſetzlichen Phantaſieen zuhörte

und vergebens nach der Urſache derſelben forſchte, erklärte Doktor L. meiner Stiefmutter, es ſey ein„Gehirnfieber,“ aber ein„gelindes Gehirnfieber.“ Er ſagte, dieſe Krank⸗ heit ſey jetzt ſehr verbreitet und greife gewöhnlich heftig an, oft ohne alle ſichtbaren Urſachen. Wir vollzogen ſo⸗ gleich alle Anordnungen, die er befahl und die bei der Behandlung ſolcher Kranken gewöhnlich ſind. Selma wurde mit dem Kopfe hoch gebettet, das Zimmer verdun⸗ kelt und die tiefſte Stille beobachtet. Um die Stirne wur⸗ den kalte Umſchläge gemacht. Als ich eben damit beſchäf⸗ tigt war, rief man mich hinaus. Ich traf Lennartſon im Zimmer, der ſo blaß und aufgeregt war, wie ich ihn noch nie geſehen hatte.

„Wo iſt Selma?“ fragte er in Haſt.„Was hatte ſie bei St. Orme zu thun? Wer hat ſie dorthin geſchickt?“

„Sie werden doch von Selma nichts Böſes, nichts Unrechtes glauben?“ ſagte ich.