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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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iſt mein böſer Dämon und ich muß ſein bleiben. Ich fühle es. Oh! dieſer Lennartſon, ſo ſtark, wie gut— Er allein hätte mich retten können, wenn er ſo mich hätte lieben können, wie ich ihn: über Alles. Aber er konnte mich nicht ſo lieben.— Und doch bin ich ſeiner Liebe nicht ſo ganz unwerth.——— Ich fühle etwas in mir, das unter ſeinem Schutze, mit ſeiner Hülfe ſich zu reicher Schönheit hätte entfalten können. O Len⸗ nartſon! wäre ich die deinige geworden, wie ganz an⸗ ders wäre ich nicht, wäre nicht Alles geworden! Was du liebſt, hätte ich geliebt, die Talente, die Gaben, die ich beſitze und die nun zum Fluche verkehrt werden ſol⸗ len, ſie wären in deiner Hand zum Segen geworden. Oh! einem ſolchen Ziele ſo nahe geſtanden zu ſeyn und es dann verſchwinden zu ſehen! In der Hand das ſchönſte Loos des Lebens gehalten zu haben, und es ſich entriſſen ſehen! Genöthigt zu ſeyn, einem Lennartſon zu ent⸗ ſagen, um einem St. Orme eine verworfne und verab⸗ ſcheuungswerthe Beute zu werden! Oh! warum kann ich nicht ſterben?“

Und Flora warf ſich im Ausbruche des heſftigſten Schmerzes auf den Boden nieder. In dieſem Momente brach ein leuchtender Strahl durch die Wolken ins Zim⸗ mer und es ſchien mir, als ob in ſeinem Lichte eine weiße Taube ſich herabſchwinge und ihre Flügel über Flora ausbreite.

Es war Selma, die mit der Schnelligkeit eines Vogels ins Zimmer flog, neben Flora in die Knie ſank, und einen weißen Schawl, der ihr über Kopf und Schultern hing, abwerfend ſagte:

„Nein! lebe, lebe, meine Flora! Lebe und werde glücklich! Hier ſind Deine Briefe.“

In ihren Händen glänzte eine Brieftaſche von pur⸗ purrother Seide.— Mit dem freudigen Rufe:„Meine Briefe! meine Briefe!“ ſtürzte Flora auf ſie.

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