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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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„Spare Deine Worte, St. Orme!“ unterbrach ihn Flora ungeduldig,„ich kenne Dich jetzt und werde nicht mehr von deinen ſchönen Redensarten gefangen. Sage mir in Kürze, was Du willſt, und ich will Dir dann ſagen, was ich beſchloſſen habe.“

„Was ich will, weißt Du— meine Liebe und meine Wiünſche ſind Dir bekannt. Laß mich nun ſagen, was Du willſt!“

„Was ich will?“

„Ja, was Du eigentlich willſt, was Du wollen mußt. Oder glaubſt Du, daß ich Dich nicht kenne? Glaubſt Du, ich habe mich verwirren laſſen durch jene Zuckungen Deiner Gefühle, durch das Geſpenſt einer neuen Liebe, welche Deine Einbildungskraft gefangen hält? Pah, Pah! Es hat noch keine an meiner Bruſt geruht, deren Innerſtes ich nicht durchſchaut, deren leiſeſte Puls⸗ ſchläge ich nicht behorcht hätte. Und die Deinigen habe ich behorcht mit den Ohren der Sympathie und der Liebe;— Flora, Du biſt feſt, feſt an mich gefeſſelt, nicht durch Deine Briefe, Deine Eide, Deine Liebe, die Du mir geſchenkt haſt, ſondern gefeſſelt durch mächtigere Bande, durch die Tiefe der Sympathie, durch Tugenden, durch Fehler; ja ſelbſt Deine Fehler ſind die meinigen und ich fühle mich ſelbſt wieder in Dir. Thoren pre⸗ digen den Menſchen, ihre Fehler zu beſſern; ich habe Deine Fehler angenommen, um ſelbſt durch ſie Dich glucklich machen zu können. Siehe, wo findeſt Du eine ſolche Liebe! Und von dieſer willſt Du Dich losſagen, indem Du Dich und mich verkennſt.“

„Glaubſt Du, Deine Schönheit, Deine Talente feſ⸗ ich Dieſe beſitzen Hunderte und in noch höherem Grade, als Du! Nein! Dein tiefres Selbſt iſt es, Dein erhabnes, excentriſches Weſen, das zwiſchen Himmel und Hölle ſchwebt. Und auf der Fahrt zwiſchen dieſen Polen will ich Dich begleiten,

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