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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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„Gib mir“, rief Flora aus, Genuß! Gib mir Luſt, Luſt, Luſt! Und dann— will ich ſter⸗ ben! So redet der auftichtige Menſch.“

„Aber nicht der Vernünftige,“ ſprach ich lächelnd.

„Und wer ſagt Dir, daß ich ein vernünftiger Menſch bin,“ rief Flora heftig, ein Paarmal durch das Zimmer tanzend;„vielleicht bin ich nicht einmal ein Menſch, ſondern eines jener Weſen, von denen vrientaliſche Sagen uns erzählen, daß ſie zwiſchen Himmel und Hölle ſchweben, ohne einem von beiden Orten angehören zu können, und die deßhalb als leuchtende Irrwiſche auf Erden herumflattern? Und vielleicht iſt es beſſer, ſo herumzuflattern, als wie ihr Andern über Dinge zu grü⸗ beln, worüber doch Niemand in's Reine kommt. Komn, mein Selmachen, laß uns walzen: ſpiele uns einen Straußiſchen, Sophie; je wilder, um ſo beſſer.“

Ich ſpielte und die zwei Mädchen walzten: das war offenbar ebenſo gut, als hätte man jetzt vernünftig mit Flora geſprochen. Ja, vielleicht walzt man ſich leichter zur Ruhe, als man ſich dazu raiſonnirt. Und der Grund aller Extravagantien Flora's war eine innere Unruhe. Den ganzen Tag war ſie überſpannt und launig und ſchien abſichtlich nicht zur Ruhe und Beſinnung kubtit zu wollen.— Im Laufe des Nachmittags kam St. Orme, bei deſſen Anblick Flora zuſammenfuhr.

„Wie ſteht es mit unſrer Schlittenparthie?“ war ſeine erſte Frage.— Mit affectirter Ruhe bat Flora um Entſchuldigung, daß ſie ihr Verſprechen, von der Parthie ſeyn zu wollen, zurücknehmen müſſe. Ein früheres Ver⸗ ſprechen, eine andre Verbindlichkeit, die ſie dieſen Vor⸗ mittag Lérgeſſen gehabt habe, hindre ſie.—

St. Orme hörte ihre Euiſchulblaung mit finſtern Blicken einem liſtigen Lächeln auf den Lippen an. Nachdem ſie geendet hatte, trat er näher an ſie und ſagte leiſe:„Darf man wiſſen, was das für ein Ver⸗ ſprechen iſt, das Dich hindert, das mir gegebene zu er⸗ füllen? Doch vielleicht haſt Du auch dieſes jetzt ver⸗

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