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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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vie„Societes“ eingeführt habe, in die ſie außerdem nicht leicht Zutritt erhalten haben würde, weßhalb auch Brenner ſtets eine„unbeſchreibliche Dankbarkeit“ gegen ſie fühle. Ich fragte, ob er ſeine Gattin ſehr betrauert habe? „Faſt bis zum Wahnſinn,“ antwortete meine Sttief⸗ mutter.„Ein ganzes Jahr lang konnte er kaum den An⸗ blick ſeiner Kinder ruhig ertragen. Nun aber hat er ſeine größte Freude an ihnen. Aber es ſind auch ſüße, liebens⸗ werthe Kinder; drei Knaben und zwei Mädchen.“ Während dieſer Erzählung, die ſo manches wohl⸗ thuende Gefühl in mir geweckt hatte, war es Mitternacht geworden. Die Gräfin G. hatte verſprochen, Flora heim⸗ zubegleiten und ſelbſt auf eine Stunde zu kommen, um von den Herrlichkeiten des Balls zu erzählen, wenn wir bis Morgens drei Uhr warmen Kaffee für ſie bereit halten wollten. Meine Stiefmutter hatte dieß zugeſagt, und wäh⸗ rend Selma und ich Rieſenſchritte in Verfertigung unſerer Weihnachtsgeſchenke machten, kamen unvermerkt die Mor⸗ genſtunden und mit ihnen Signora Luna und Flora. Nun ging es an ein eifriges Kaffeetrinken und Erzählen. Der Ball war prächtig geweſen und Flora einer ſeiner leuch⸗ tenden Sterne, aber dieſer prächtige Ball hatte, wie alle andern, auch ſeine Schattenſeiten gehabt; es war zu warm, zu

gedrängt geweſen. Die Quadrille, in der auch Flora tanzte, hatte zu wenig Raum gewährt, um ſich recht zeigen zu kön⸗

nen; die figurirenden Perſonen fanden ſich überall gehemmt, man war ziemlich überſechen und in der Menge begraben

worden, mit Einem Worte: man hatte ſich nicht amüſirt. „St. Orme nahm ſich von allen Herren am beſten

in ſeinem Coſtüme aus,“ ſagte die Gräfin G., und fügte

hinzu:„nur war er etwas zu ſehr Türke, und namentlich gegen Flora nahm er ſich eine gewiſſe Sultansgewalt her⸗ aus. Vielleicht,“ meinte ſie ſchelmiſch,„wollte der Herr

Envoyé alle armen Attaches dadurch in Reſpekt halten.“

Flora ſprach zuerſt den Wunſch aus, zu Bette gehen zu wollen, und während ich ging, ihre ſchlafende Anna zu wecken, ſtieg ſie die Treppe hinauf, die zu unſeren Zim⸗

mern f ich ſie in die blicken!

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