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„Er iſt nicht glücklich!“ ſagte Brenner,„weil er ſo ſelten mit ſich ſelbſt zufrieden iſt. Er hat einen unaus⸗ löſchlichen Durſt, der ihn verzehrt.“
„Und der iſt?“ fragte ich.„Der Durſt nach Voll⸗ kommenheit!“ Wir alle ſchwiegen eine Weile. Brenner's Worte und der Ton, womit er ſie vorbrachte, hatten uns ergriffen. Endlich ſprach Felir:„Das gerade iſt das Große an ihm, was geringere Naturen niederdrückt und
entmuthigt. Er imponirt mehr, als er erhebt. Ich ge⸗
ſtehe, daß ich ihn zugleich bewundre und fürchte!“
„Und Du weißt doch,“ ſagte Selma,„daß er ſehr gütig iſt.“—„Ja, wenn ich es verdiene. Selma. Aber, daher kommt es: ich verdiene es oft nicht, und dann— — ach, wie oft, wenn ich bei ihm bin, wenn ich ihn höre, ihn handeln ſehe, wie oft habe ich mich dann ſelbſt verachtet, daß ich ihm ſo unähnlich bin! Und die beſten Vorſätze gefaßt! Aber, wenn ich wieder unter die Menſchen komme, ſo vergeſſe ich ihn und mich, begehe Thorheiten wie die Andern und dann— werde ich ängſt⸗ lich vor ihm, vor ſeinem Blicke; denn dieſer iſt eins mit meinem Gewiſſen, und— verdammt mich!“— Selma reichte ihrem Vetter die Hand und ſah ihn mit klaren, thränenvol⸗ len Augen an. Der junge Delphin war ſichtlich aufgeregt, er faßte die dargebotene Hand Selma's, küßte ſie mehrere Male heftig und eilte hinaus.— Unmöglich kann Selma gegen dieſen liebenswürdigen jungen Mann gleichgültig bleiben! Bald darauf entfernte ſich auch der Vikinger in ſichtbar düſtrer Stimmung. Als wir uns allein ſahen, ſchilderte meine Stiefmutter mir in Kürze die früheren Verhältniſſe des Vikingers:
Wilhelm Brenner zeichnete ſich in ſeiner Jugend durch ein gutes Herz und einen unruhigen Kopf aus. Auf der Kriegsakademie war er allgemein beliebt, obgleich ſeine Unarten und ſein unordentliches Weſen ihm manche Verdrießlichkeiten zuzogen, und ihn in Streitigkeiten ver⸗ wickelten. Er hatte keinen feſten Haltpunkt in ſich, ſondern überließ ſich den Eingebungen des Angenblicks. Verſchie⸗
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