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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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Andern, und keine Affektation von Gleichgültigkeit oder Trotz entſtellte ſeine einfache, edle Haltung. Ich fand ihn wegen dieſer vollkommenen Selbſtbeherrſchung bewun⸗ dernswerth und mehrere Anweſende ſchienen dieſen Ein⸗ druck mit mir zu theilen, Alle aber bemühten ſich, die peinliche Spannung durch eine allgemeine Unterhaltung aufzuheben. Ungezwungen nahm auch der junge Lennart⸗ ſon daran Theil, aber er war doch ernſter, als er vorher geweſen und— den Schluß von Schiller's Wallenſtein blieb er mir ſchuldig.“

„Erinnern Sie ſich,“ fragte der Vikinger,„nicht des Namens jenes jungen Mannes, deſſen Handlungsweiſe die Veranlaſſung zu dieſem Auftritte war?“

„Nein! ven Namen habe ich vergeſſen, oder vielleicht gar überhört. Aber man nannte einige Züge, deren ich⸗ mich noch erinnere, und die ihn als einen unruhigen und gewaltthätigen Charakter darſtellten.“

„Und dieß war das Erſte, was Sie von mir hör⸗

ſagte der Vikinger leiſe, aber nachdrücklich. Ueberraſcht ſah ich ihn an. Auf ſeinen Augen lag trüber Ernſt und ich las ſolch' dunkle Erinnerungen da⸗ rin, daß ich ſchnell wegblickte, betrübt und faſt renmüthig, dieſelben geweckt zu haben.

Mit Beziehung äußerte meine Stiefmutter:„Len⸗ nartſon iſt in der That ein ſeltener Charakter, und ich wollte, alle jungen Männer nähmen ihn zum Muſter!“

„Ja, wer wünſchte nicht, ihm zu gleichen?“ fragte Felir Delphin, der die Moral auf ſich zu beziehen ſchien. „Ach, wäre er nur nicht ſo— wie ſoll ich ſagen— nicht ſo gar erhaben! Aber er ſteht ſo hoch, daß man kaum wagt, zu ihm aufzuſehen. Er iſt zu fehlerfrei!“

„Ohne Fehler iſt Lennartſon ſo wenig, wie irgend ein Menſch,“ entgegnete Brenner,„aber ſeine Fehler ſind ſolche, wie ſie großen Naturen eigen ſind. Sie hindern ihn, glücklich zu ſeyn!“—„Iſt er nicht glücklich?“ rief Selma aus und blickte trübe und erſtaunt auf.

ten!“