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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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ſeine Mutter reizte ihn in hohem Grade auf, und dieß veranlaßte Auftritte zwiſchen Vater und Sohn, welche der Mutter ſchwache Geſundheit faſt zerſtörten; aber — ſonderbar genug— auch die Kräfte des rauhen Mannes brachen. Er fürchtete faſt ſeinen Sohn, wenig⸗ ſtens in Allem, was die Mutter betraf, und er wagte nicht mehr, ſich gegen ſie zu vergehen. Die Johannes⸗ natur der Mutter hatte einen Adler groß gezogen, der nun ſchützend ſeine Flügel über ſie ausbreitete. Glücklich in der Liebe ihres Sohnes, aber erſchrocken über den faſt furchtbaren Charakter, den ſie bei ihm ausbrechen ſah, wollte ſie dieſe junge Kraft lehren, ſich ſelbſt zu beherrſchen, und ſuchte ihn deßhalb in dem zu befeſtigen, was allein der Kraft Wahrheit, Maaß und rechte Hal⸗ tung zu geben vermag, nämlich in der wahren Furcht Gottes. Frühe ſchon hatte ſie dem geiſtigen Auge ihres Sohnes die größte Geſtalt der Menſchheit vorgeführt, und jetzt ſuchte ſie den Inhalt des Lebens und der Lehre, welche ſchon das Kinderherz in unbewußter Liebe eingeſaugt hatte, auch vor dem forſchenden Geiſte des Jünglings zu rechtfertigen. Dabei ging ſie jedoch ganz anders zu Werke, als die meiſten Eltern und Lehrer. Statt die Bücher, die als der Frömmigkeit ſchädlich angeſehen werden, ängſtlich entfernt zu halten, ſuchte ſie dieſelben vielmehr hervor, las mit ihrem jugend⸗ lichen Sohne die Schriften der bekannteſten Atheiſten und Deiſten von den älteſten Zeiten bis auf unſere Tage, und übte ſeine Vernunft durch die Vergleichung ihrer Anſichten mit der Lehre, welche in einem perſön⸗ lichen geoffenbarten Gotte die Auflöſung des Räthſels

unſers Lebens gibt, und in dieſer Offenbarung ſeines

Weſens und Willens die einzige ſichere und vollkommen zureichende Garantie für die Erfüllung der innigſten Sehnſucht und der heiligſten Hoffnung der Menſchheit bietet. Dabei ließ ſie ihn mit vorkommenden Schwierig⸗ keiten kämpfen und ſich gleichſam mit eigner Kraft den Weg in's geheimſte Leben bahnen. Sie war es ſelbſt, die