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fühlte ich, daß ich ſie für das ganze Leben liebte. Nie, nie werde ich vergeſſen, wie ſie vor mir ſtand und ſagte:
„Was macht es, wenn ich weine! Sage mir ſtets die Wahrheit! Ich will mich ändern, will mich beſſern.“
Und die ſtillen Thränen in dem edeln, ſeelenvollen Antlitze! Ich wollte, Lennartſon hätte ſie geſehen und gehört! Ach, die Erde iſt doch ſchön!
Den 19. Nov.
Selma hatte mit ihrer Prophezeihung recht: der Abend des Maskenballs war für uns zu Hauſegebliebenen weit angenehmer, als wenn wir in den ſchönſten Rollen figurirt hätten. Während Selma noch die letzte Hand an Flora's Toilette legte, ging ich zu meiner Stiefmutter hinunter, wo ich Felir, den Vikinger und den Freiherrn traf. Der letztere ſprach wenig und blickte oft nach der Thüre hin.— Als Flora von Selma begleitet in ihrem prachtvollen Coſtüme eintrat, ſchien er von ihrer Schön⸗ heit geblendet. Ich war es in dem Grade, daß ich einen Ausruf der Ueberraſchung und des Entzückens nicht zurückhalten konnte. Wir alle waren hingeriſſen, und Selma's ſtrahlende Augen baten um Ruhm oder Opfer für die ſchöne Cirkaſſterin, welche im ſtolzen Bewußtſeyn ihrer Jugend, ihrer Schönheit und ihres Glanzes da⸗ ſtand. Lennartſons Bewunderung kühlte ſich jedoch bald ab, er wurde ernſt, und als St. Orme prächtig
als Türke gekleidet eintrat— er und Flora ſollten in der Quadrille zuſammen tanzen— verſchwand er plötz⸗
lich, ohne Abſchied zu nehmen. Auf Flora's Geſicht war deutlich einige Unruhe zu ſehen; allein dieſe verſchwand bald und ſie lächelte vergnügt, als der Envoyeé ſie unter ausgeſuchten orientaliſchen Complimenten zum Wagen führte, in dem ihre Schweſter bereits auf ſie wartete. Der Vikinger und auch Felir blieb bei uns, obgleich er auf die Maskerade ſollte.— Wir ſprachen vom Freiherrn Lennartſon und ich äußerte meine Freude über das innige Gefühl deſſelben für weiblichen Werth, das er einige


