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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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Selma wandie ſich ab und ſagte leiſe:„laß uns nicht davon reden!“—„Nun, ſo wollen wir von meinem Co⸗ ſtüme auf die Maskerade reden!“ entgegnete Flora mit muthwilliger Lebhaftigkeit.„Komm und hilf mir die Far⸗ ben auswählen; Dein Geſchmack iſt ſo gut.“ Damit nahm ſie Selma am Arm und ſingend chaſſirten die beiden Con⸗ ſinen hinaus.— Als ich nachher mit einer Botſchaft an Selma in Flora's Zimmer kam, fand ich ſie in eifrigem Geſpräche mitten unter Gold⸗ und Silberflor!

„Aber Flora, das kommt zu hoch!“ ſagte Selma.

„Aber es wird göttlich ſite entgegnete Flora.

„Es kann aber auch auf woh lfeilere Art ſchön wer⸗ den— der Unterſchied in den Koſten iſt in der That be⸗ deutend! Du haſt ja eben Lennartſon verſprochen, Deinem Bruder ein Vorbild zu ſeyn.“

„Ja, ja, im Allgemeinen ſchon, aber nicht in allen Kleinigkeiten. Da will ich meinem eigenen Kopfe folgen.— Oh, Selma, nimm mir jetzt keine ſo altkluge Miene an, ſie kleidet T Dich gar nicht, etwas munterer!— Um auf den Turban zu fommen— Ach, Tante! das iſt herrlich! die Tante ſoll mir ſagen“— Damit wandte ſich Flora an meine Stiefmutter, die eben hereintrat und ohne weitere Bedenklichkeiten in Flora's Plan wegen des theuern Coſtüms einging, das ſie in eine Cirkaſfieri in verwandeln ſollte.

Dann ſagte ſie zu mir, während ſie Selma umarmte: „Wie gefällt Dir das Kind da, Sophie, das zu Hauſe bei ſeiner alten Mutter ſitzen will, ſtatt mit auf die Maskerade bei W.'s zu fahren.“— 3 Das gefällt mir,“ entgegnete ich.

„Wie könnte auch Fräulein Philoſophie über ein ſo wei⸗ ſes Verhalten anders urtheilen?“ bemerkte Flora etwas

ſpitzig.—„Aber wie, wenn ich,“ ſagte meine Stiefmutter mir zuwinkend,„alle Koſten für das Coſtüm übernähme und—“—„Das thut die Mama nicht, wenn ſie mich

lieb hat,“ eutgeuete Flora.„Ich habe wirklich keine Luſt, auf dieſen Ball zu gehen, noch weniger aber, mich deßhalb zu ruiniren. Meine Mutter ohnedies würde blos we⸗ gen meiner hingehen und— Alles genau betrachtet, ſo bin ich