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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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30 aber auch einander etwas mehr, als Vormund und Mündel.“ —„Wie? ſind ſie verlobt?“ „Ja; aber es iſt noch nicht öffentlich erklärt.“

„Flora,“ fuhr ich fort,„wird doch nächſtes Frühjahr

volljährig und kann dann über ein bedeutendes Vermögen verfügen?“—„Blos über die Zinſen daraus; über das Kapital kann nach dem Teſtamente des Onkels, dem Flora und Felir ihr ganzes Vermögen zu verdanken haben, nur ihr künftiger Gemahl verfügen. Der Onkel war ein mür⸗ riſcher alter Mann und hatte kein Vertrauen auf Frauen in Beziehung auf Verwaltungsangelegenheiten. Ueberdies beſtimmte er noch, daß Flora vor ihrem fünf⸗ undzwanzigſten Jahre, das ſie im Frühjahr erreicht, nicht heirathen ſolle und ſetzte auf die Richtachtung dieſer Beſtim⸗ mung den Verluſt eines bedentenden Theils der Erbſchaft.“

Selma kam herein, Lennartſon endigte ſein Geſpräch mit Flora und entfernte ſich, nachdem er ihr vorher noch die Hand geküßt und leiſe, aber nachdrücklich, die Worte: „Denk daran“ zugeflüſtert hatte.

„Das war ja ein ganz wichtiges Geſpräch!“ ſagte meine Stiefmutter ausforſchend zu Flora, als dieſe nach einem Blick in den Spiegel mit leuchtenden Angen uns nahte.—„Ja,“ erwiederte Flora,„er iſt ſo gut, ſo herr⸗ lich, man muß Alles thun, was er will!“

Ich ſeufzte laut.—„Was gibts? Warum ſeufßzt Sophia?“ fragte Flora.—„Weil ich vermuthe, daß Du bald Lennartſons Hand erhältſt und recht glücklich wirſt; — Ich muß ja meinen Haß nähren.“

„Ah!“ entgegnete Flora lachend,„darum gräme Dich noch nicht. Es geht mir vielleicht nicht ſo gut,“ fügte ſie etwas wehmüthig bei.„Jetzt iſt weniger von mir, als von Felir die Rede. Mein Herr Vormund will, ich ſoll ihm ein Vorbild, ein Beiſpiel, eine Führerin ſeyn— aber mein Einfluß auf meinen Herrn Bruder iſt eben nicht weit her; und ich wüßte wohl, wer beſſer als ich auf Felir wirken, und ihn in einen wahren„Phönir“ umwandeln könnte, wenn ſie nur wollte— was meinſt Du, Selma?“

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