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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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Fertigkeit; plötzlich aber hörte ſie mitten im Stücke wieder auf; bald ordnete ſie ihre Locken und beſah ſich im Spie⸗ gel; endlich ſetzte ſie ſich an's Fenſter und machte Be⸗ merkungen über die Vorübergehenden. Ich gab ihr im Stillen den Namen:Fräulein Laune.

So ſtanden die Sachen in unſerm Vorzimmer, als wir bei einer Pauſe im Geſpräche ein ſchwaches ziſchen⸗ des Pfeifen und leiſe Schritte ſich nahen hörten.

Meine Stiefmutter warf einen unruhigen Blick nach der Thüre: Selma verſtummte, Flora ſah ſchnell vom Fenſter weg und auf St. Orme, der in's Zimmer

trat. Wir wurden nun einander förmlich vorgeſtellt.

Das Abſtoßende ſeines Weſens wurde durch ſeinen Hän⸗ dedruck nicht gemildert. Ich empfinde einen beſondern Eindruck von der Art und Weiſe, mit der die Menſchen die Hand faſſen und ich kann nicht unterlaſſen, daraus Schlußfolgerungen zu ziehen, jedoch mehr mit Inſtinct, als mit Vernunft, indem dieſe ſich weigert, durch Aeuße⸗ rungen ſich leiten zu laſſen, die rein zufällig ſeyn können. Aber ich kann es nicht anders machen: ein voller war⸗ mer Händedruck nimmt mein Herz ein; ein ſchwacher, lauer oder kalter ſtößt es zurück. Es gibt Menſchen, wel⸗ che die Hand ſo drücken, daß ſie eine gute Weile nach⸗ her noch ſchmerzt; dann auch ſolche, die mit zwei Fingern drücken: vor dieſen bewahre uns

um wieder auf den Envoyé zu kommen, ſo war deſſen Händedruck ſchwach und ſcharf, obwohl von einer weichen Hand. Von mir ging er zu Flora, deren Hand er küßte und wollte dann ſeinen Arm vertraulich um Selma's Leib legen; aber dieſe wich ihm aus und rief mich zu ſich, um Bekanntſchaft mit ihren Blumenzwie⸗ beln zu machen, die ſie mir heiter unter den Namen:König Hiskias, Lord Wellington, grand vainnueur⸗ l'ami du

coeur, Diana, Galathé und ſo weiter vorſtellte. In

dieſer Unterhaltung wurden wir von Flora's ruder, Felir Delphin, unterbrochen, der Selma eine halbaufge⸗ blühte Monatroſe überreichte. Sie nahm ſie errothend

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