mit Wohlwollen und Freude, die in den diamantklaren Augen ſtrahlen, an Einen ſich anſchmiegt und Freundſchaft und Liebe bezengt. Sie war ſo reizend, meine kleine Schweſter, in der Blüthe ihrer Jugend, in ihrer einfachen, aber ausgeſucht geſchmackvollen Kleidung, und vor Allem mit ihrem einnehmenden Weſen, daß ich in ihr eine Verkörperung der Muſe Franzén's, deren Namen ſie führt, zu ſehen glaubte.„Gott bewahre Dich, Du ſchö⸗ nes Weſen!“ dachte ich bei mir, indem ich ſie betrach⸗ tete und eine faſt ſchmerzliche Ahnung mir Thränen in die Augen trieb.— Ich folgte ihr nicht ohne Herzklopfen die Treppe hinab und bereitete mich vor, meine Stief⸗ mutter und meine Heimath beim Tageslichte zu ſehen. Aber das ängſtigende Gefühl verſchwand, als beim Eintritt in das innere Zimmer meine Stiefmutter mir mit Geberden und Worten entgegenkam, die der Ausdruck eines herzlichen Wohlwollens zu ſeyn ſchienen. Ueberdieß war im Zimmer Alles behaglich: Luft und Meubelment, bis auf den einladenden, von Silber und ächtem Porzellan ſchimmernden Kaffeetiſch.—„Das iſt gut!“ dachte ich. Das größte Vergnügen jedoch gewährte mir der Anblick der Sammlung guter Oelgemälde, die in beiden Vorzimmern die Wände ſchmückten. Eben als ich im Begriffe war, mich darüber auszuſprechen, kam Flora herein. Faſt hätte ich die Königin des geſtrigen Tags nicht wicder erkannt. Die zarte Haut ſchien bei dem Tageslichte brouillirt, das Auge war matt, die Kleidung nachläſſig und das ſchöne Geſicht von einem ſichtbaren Zuge übler Laune entſteltt. Selma gewinnt dagegen bei Tage geſehen: ihr Teint iſt rein und weiß und ihre Augen haben das ſchönſte Waſſer und den klarſten Blick, den ich je in einem Menſchenange geſehen habe. Wir ftzten uns zum Frühſtück. Das Geſpräch kam auf den getrigen Ball, was meine Stiefmutter benutzte, eine kleine Volksrede zu halten, die ich von früher her
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