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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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das

21 iſt vorüber, und ich bin frei. Daß ich jetzt beſſer

bin, als da wir das letztemal zuſammen lebten, das wage ich zu hoffen. Die Philoſophie, die mich damals ſo ſtolz und diſputirſüchtig machte, hat mich ſeitdem friedfertig gemacht. Der Gedanke hat ſtill und ordnend ſeine Hand auf meine Stirne gelegt, das Leben hat ſich aufgeklärt und das Herz ſich beruhigt. Bücher ſind mir die liebſte Geſellſchaft und das Nachdenken ein Freund, der mich durch's Leben begleitet und Honig aus allen Pflanzen des Lebens, ſelbſt den bittern, gewinnen lehrt. Thorild iſt noch immer in meinen Augen ein Stern erſter Größe, allein ich folge ihm nicht mehr blind, und habe auch für die Conſtellationen der Madame Genlis Sinn bekommen. Nur in Einem will ich ihm immer getreu folgen, in der Lehre nämlich: fortwährend zu ſtudiren und nach dem Guten in Allem zu forſchen. An Kautua's erlenbe⸗ gränzten Fluthen, an dem Strande, da ich geboren, ging ich als Kind oft aus, um Perlen zu ſuchen, wenn die Hitze des Sommers das Waſſer vermindert hatte. Ich fühle noch die kühlen, klaren Wellen meine üße beſpü⸗ len, ich kann noch die Perlenmuſcheln ſehen, die der Fall des Waſſers im Sande an den kleinen grünen Eilanden zuſammengehäuft hatte. Ganze Haufen dieſer Muſcheln trug ich hinauf an's Ufer, und wenn ich eine Perle in ihnen fand welche Freude! Oft waren ſie unvoll⸗ kommen, halb oder beſchädigt; aber zuweilen fand ich recht ſchöne darin. Jetzt will ich wieder ausgehen, Per⸗ len zu fiſchen, aber im Strome des Lebens. Den 2. Yov.

Geſtern morgen wurde ich durch einen Bcten unter⸗ brochen, der mich zum Frühſtück rief, und der Bote war meine junge Schweſter, deren ſilberhelle Stimne an mei⸗ ner Thüre fragte:Darf man eintreten? Ja freilich durfte man das; überdies ſind Sylphiden nicht leicht hinauszuſchließen, und gerne öffnet man Thir und Herz, wenn ein Weſen, wie Selma, einzutreten jegehrt, und