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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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Die ganze Verſammlung war von Bewunderung hinge⸗ riſſen. Als ich vor dem beinahe blendenden Anblick meine Augen ſinken ließ, trafen ſie auf ein Geſicht, deſſen Aus⸗ druck mir einen Stich in's Herz gab. Es war das Ge⸗ ſicht Flora's. Verdruß, Neid, Zorn lag in der faſt konvulſiviſchen Bewegung, welche die ſchönen Züge durch⸗ zuckte und entſtellte: aber nur auf einen Augenblick. Indem ihre Blicke den meinigen begegneten, verwandelte ſich dieſer Ausdruck, und bald varauf lachte und ſcherzte ſie mit St. Orme, der ſelten von ihrer Seite wich und deſſen kalter, beobachtender Blick etwas Abſtoßendes für mich hatte. Als ich mich unbemerkt vom Feſte ent⸗ fernen wollte, machte meine Stiefmutter eine ſtarke De⸗ monſtration, mich auf mein Zimmer zu begleiten. Durch meinen eifrigen Widerſtand ließ ſie ſich jedoch bewegen, zu bleiben, und auch Selma, die wieder zum Tanz auf⸗ gefordert war, nichts zu ſagen.

Auf meinem Zimmer angekommen, fand ich daſſelbe ganz umwandelt. Die unordentlich herumliegenden Klei⸗ dungsſtücke waren verſchwunden und Ordnung, Geſchmack und freundliche Fürſorge ſpiegelte von jeder in dem großen und ſchönen Zimmer getroffenen Anordnung zurück.Das Fräulein ſelbſt iſt hier oben geweſen und hat nach Allem geſehen. ſagte Karin, das heruntergebrannte Feuer mit neuer Nahrung verſorgend.Dank, meine kleine Schwe⸗ ſter, ſprach ich bei mir. 2

Ich war müde und ſchlummerte daher bald ein. Aber unruhige Träume quälten mich. Alle Perſonen, die ich im Laufe des Abends aufmerkſam beobachtet hatte, glaubte ich in einer Quadrille aufgeſtellt und mit drohenden Ge⸗ berden einander gegenüber ſtehen zu ſehen, begierig des Zeichens zum Kampfe wartend. Ich befand mich eben⸗ falls unter ihnen, und war im Begriff, über meine Stiefmutter herzufallen. Plötzlich ſchwebte eine Sylphide mit ſchimmernden Schwingen, lächelndem Munde und be⸗ zaubernden, zephyrleichten Bewegungen daher, tanzt zwi⸗ ſchen uns und umflicht uns mit einem unfichtbaren, aber

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