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Ein Tagebuch : vier Theile / von Friederike Bremer
Entstehung
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im Walzer dahin. Sogleich darauf trat meine Stiefmutter zu mir mit dem reichen Junggeſellen mit dem franzöſiſchen Ordenund ſtellte ihn mir mit den Worten vor:Dein Onkel, Hofmarſchall X. Mein Onkel ſetzte ſich neben mich und fing mit vieler Artigkeit ein Geſpräch an, das nach einigen Komplimenten an mich zu einer ziemlich witzigen Kritik üher Andere fortging, die aber in geiſtiger Hinſicht wenig nach guter Verdauung ſchmeckte. War ich von der Reiſe oder von dem Lärmen des Balls ermüdet oder durch das ſeitherige Geſpräch verwöhnt gewiß iſt, daß während der Unterhaltung meines Herrn Onkels eine Art trüber Flor vor meinen Augen über das eben noch ſo glänzende, belebte Gemälde ſich ausbreitete. Gleichwohl hörte ich mit Ver⸗ gnügen, wie er meine Stiefmutter rühmte.Eine ganz vortreffliche Frau, ſprach mein Onkel,wenn ich etwas Gutes in der Stille üben und es nicht an den Tag kom⸗ men laſſen will, ſo wende ich mich allemal an ſie.

Der Vikinger hatte die Geſellſchaft verlaſſen; aber beim Hinausgehen mir noch einen halben Abſchiedsblick zugewor⸗ fen, der wie ein kleiner lichter Punkt mir in Erinnerung geblieben iſt.Signora Luna's glänzende Erſcheinung ver⸗ ſchwand an unſerm Horizonte, um an dem des Hofs zu leuchten, wo ſie gegenwärtig Dienſt hat. Selma ſah ich blos, wie ſie zwiſchen den Tänzen mit einem freundlichen Worte oder einer Frage auf mich zugehüpft kam; auch ſah ich ſie ſo bald an der Seite ihrer Mutter, bald bei einer älteren Dame von der Geſellſchaft, immer aufmerkſam und munter, als wollte ſie Alle aufheitern.

Nach dem Souper fiel Etwas vor, das einen lang⸗ vauernden Eindruck bei mir zurückließ. Es entſtand leb⸗ hafte Bewegung im Salon und ich fah meine Schweſter in ihrem Lehnſtuhl emporgehoben unter dem Kronleuchter, deſſen Licht ſie umſtrahlte: lebhaft riefen die umſtehenden HerrenVivat dazu. Unter denen, welche die jugendliche Königin des Feſtes ſo erhoben, war der Freiherr. Schön, einer Prinzeſſin gleich, ſaß ſie da in dem hellen Licht⸗ ſcheine, ſtrahlend von Jugendreiz und verſchämter Frenude.