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Glanz ihres Anzugs ſogleich meine ganze Aufmerkſamkeit feſſelten. Ich nahm für gewiß an, daß eine von Beiden meine Schweſter Selma ſeyn müſſe; aber welche von Beiden? Sie ſahen einander auffallend wie Geſchwiſter ähnlich, obwohl bei genauerer Beobachtung gerade die Aehnlichkeit es war, die ſie unähnlich machte. Denn die
heitere, feine, gewinnende Anmuth, welche die Eine von
ihnen auszeichnete, die in weiße Gaze und Blonden ge⸗ kleidet war, vermißte man bei der andern in hellrothen Flor Gekleideten, deren Wuchs auch etwas ſtärker war: indeſſen war ſie unbeſtreitbar die Schönere. Ihr Tanz zeichnete ſich durch das hüpfende Leben aus, das den Tanz der Fanny Elsler ſo bezaubernd machen ſoll, wäh⸗ rend der Tanz der andern(der weiß gekleideten) mehr von der edeln, reinen Grazie hatte, die ich ſelbſt an Marie Taglioni bewundert hatte. Jede konnte Selma ſeyn. Je mehr ich die Weiße anſah, um ſo mehr nahm ſie mich ein, um ſo mehr wünſchte ich, daß ſie meine Schweſter ſeyn möchte.
„Aber iſt es denn möglich, daß die etwas eigenfin⸗ nige Puppe, wie ſich Selma in ihren Kindẽrjahren ſelbſt nannte, ſich in das ſylphidenartige Weſen verwandeln konnte, deſſen Antlitz von Seele und unſchuldiger Freude ſtrahlte?“ Die Andere hatte mehr von dem ſtolzen „Selbſt, das dem Kinde Selma eigen war.„Iſt ſie vielleicht meine Schweſter Selma? Werde ich ſie lieben können?“— Während ſo der Streit zwiſchen der weißen und rothen Roſe in mir fortdauerte und mich beſtimmte,
keine Aufklärung von meinen Nachbarn zu verlangen, ſon⸗
dern die Antwort vom Zufall zu erwarten, hörte ich den Herrn, der ausgerufen hatte:„les reines du Pal 1“ von einem Andern beglückwünſchen, daß er„ein reicher Jung⸗ geſelle“ ſey.—„Das Leben eines reichen Junggeſellen,“ ſprach er mit einem Seufzer, der in mir den Gedanken weckte, er ſey mit ſo vielen Frauen und Kindern, wie einſt Rochus Pumpernickel beläſtigt,„das Leben eines reichen Junggeſellen iſt ja ein beſtändiges Feſt.“
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