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Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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Herz war ſo von Dankbarkeit erfüllt, daß es brechen zu wollen ſchien.

Ich habe alſo eine Mutter! rief ſie,indem ſie Madame Aſtrids Kniee umfaßte und mit der wärmſten Kindesliebe zu ihr hinaufblickte... ach ich bin glücklich, allzu glücklich! Gott hat mir, der Armen, Verlaſſenen eine Heimath, eine Mutter gegeben.

Und einen Mann dazu. Ich muß ſehr bitten, daß du ihn nicht vergiſſeſt. Er will auch dabei ſein! ſagte Harald, indem er ſie ſanft umfaßte und ebenfalls vor der mütterlichen Freundin die Kniee beugte.

Madame Aſtrid ſchloß ſie Beide herzlich in ihre Arme und ſagte mit ſanfter, inniger Stimme, indem ſie mit ihnen ans Fenſter ging, von wo aus man das ſchöne Thäl in ſeiner ganzen Ausdehnung erblickte:

Wir beginnen heute ein neues Leben mit einander und wollen es zu einem glücklichen zu machen ſuchen. In dieſem Augenblick, da ich von euch, meine Kinder, umge⸗ ben daſtehe und in eine ſchöne Zukunft hinausblicke, glaube ich ſo gut einzuſehen, wie es werden kann. Wir haben hier keine Kunſiſchätze, nicht die wechſelnden Scenen des großen Weltlebens, um uns daran zu erfreuen und zu unterhalten, allein deſſen ungeachtet braucht unſer Leben nicht ermüdend und langweilig zu ſein. Wir haben den Himmel und wir haben die Natur! Wir werden je⸗ nen in unſere Herzen herabrufen, dieſe um ihre ſtillen Wun⸗ der befragen und an ihrer Betrachtung unſer Herz erhe⸗ ben. Von den Flaminen unſeres ſtillen Herdes aus wol⸗ len wir manchmal die Bewegungen des großen Walddra⸗ mas betrachten, um ſodann deſto freudiger zu unſren eigenen fleinen Scenen zurückzukehren, wo jeder darauf denken ſoll, ſeine Rolle ſo gut als möglich durchzuführen. Und ich gelobe euch vor der Hand, fuhr die Oberſtin fort, indem ſie in einen ſcherzhaften Ton überging,daß die meinige nicht darin beſtehen ſoll, ſo lange Reden an euch zu halten.

ſegnenden Hände auf ihrem Haupt gefühlt hatte. Ihr