Druckschrift 
Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
Einzelbild herunterladen

166

die andern Hochzeitgäſte. Die Ruderer trugen ſämmtlich Kränze um ihre gelben Strohhuͤte und ſo bewegte ſich der kleine Zug bei heiterer Muſik über den Fluß, der Kapelle zu.

Die Kapelle war ein einfaches Gebäude, ohne andre Zierrathen, als ein ſchönes Altargemälde und eine Menge Blumen und grüne Zweige, womit man für die bevor⸗ ſtehende Feierlichkeit Bänke, Wände und den Fußboden geſchmückt hatte.

Die Predigt war einfach und herzlich, der Geſang rein, mit einem Wort, kein mißtönender Eindruck ſtörte die Andacht, welche die ganze Anordnung eines norwegi⸗ ſchen Gottesdienſtes hervorzurufen und zu erhalten ſo ſehr geeignet iſt.*)

Hier riefen Harald und Suſanna aus gläubigem, andächtigem Herzen den Himmel um Segen an für ihren innigen Vorſatz, einander getreulich zu lieben in Freud und Leid, und wurden vor der Verſammlung als ein Paar erklärt.

Eine Maſſe Volks war in der Kirche erſchienen und als der Hochzeitzug ſeinen Rückweg antrat, ſchloſſen ſich ihm mehrere Boote an und begleiteten ihn uuter Geſang und Hurrahruf nach dem andern Ufer.

Aber Suſanna fühlte ſich nicht ganz ruhig und glücklich, bevor ſie in Madame Aſtrids ſtillem Zimmer die Stirne, auf ihre Kniee gelegt und ihre mütterlich

*) Der Gottesdienſt wird in Norwegen nicht, wie noch jetzt in Schweden, durch Einmiſchung weltlicher Angelegenhei⸗ ten geſtört. Nach der Predigt werden bloß einige kurze Gebete verleſen, worauf der Prieſter die Verſammlung mit denſelben Worten ſegnet, die ſchon vor Jahrtauſenden über die Wanderer in der Wüſte geſprochen wurden. Man weiß hier Nichts von der barbariſchen Sitte, Be⸗ kanntmachungen uber alle möglichen Dinge, Steckbriefe gegen Diebe, Anzeigen von geſtohlenen Gegenſtänden u. ſ. w. zu verleſen, was für die Kirchgänger, zumal aus der Nachbarſchaft, im höchſten Grade läſtig iſt und in

kalten Wintertagen alle Andacht erfrieren macht.