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liches Grab hinabzuſteigen, noch am Köſtlichſten ſchmückt. Die Höhen des Thales glänzten im ſchönſten Farbenſpiel. Die dunkeln Föhren, die ſaftgrünen Tannen, die ver⸗ goldeten Birken, das Haſelgeſträuch mit dem bleichen Lanbe und der Vogelbeerbaum mit ſeinen rothen Trauben hingen in mannigfaltig wechſelnden Maſſen an den Abhängen, während die Heimthaler Elf, trunken von Himmelsfluthen, brauſender und mächtiger als je dahinſtrömte. Bunte Heer⸗ den, die fett und wohlgemuth von den Sennen herabka⸗ men, wanderten an ihren grünen Ufern. Die Glocken der Kapelle klangen fröhlich in die klare Luft, indeß die Kirch⸗ gänger auf geſchlängelten Fußwegen aus ihren Hütten dem Gotteshauſe zuſtrömten.
Vom Strande bei Semb ſtieß jetzt eine kleine Flotte feſtlich geſchmückter Boote ab. Im vornehmſten derſelben ſaß unter einem Baldachin von Laub und Blumen die Herrin von Semb, aber nicht mehr die bleiche, gram⸗ gebeugte, deren Blicke das Grab zu ſuchen ſchienen. Eine neue Jugend ſchien um ihre Wangen zu ſpielen, auf ihren Lippen zu athmen, während die klaren Augen mit ſtillem Genuß bald auf die ſchöne Naturſcene um ſich her, bald auf ein noch ſchöneres Bild in ihrer Nähe — ein glückliches Menſchenpaar ſchauten. Neben ihr, mehr einem Engelein als einem Menſchenkinde gleich, ſaß die kleine Hulda, mit einem Kranz von Immergrün in ihren lichten Locken. Alle Blicke richteten ſich jedoch, wie es ſich gebührt, hauptſächlich auf Braut und Bräu⸗ tigam, denn beide waren in der That ſchoͤn und erfreu⸗ lich anzuſehen. Sie ſtrahlten von inniger Wonne. In einem nachfolgenden Boot bemerkte man einen kleinen Streit zwiſchen einer jungen Frau und ihrem Manne, welcher letztere ihr einen Mantel umhängen wollte, den ſie anzunehmen ſich weigerte. Man war indeß verſucht, auf die Seite des Mannes zu treten bei ſeiner zärtlichen Fürſorge für die junge Frau, die bald Mutter werden ſollte. Der Ausgang des Streits war, daß Alf über Alette den Sieg davon trug. In andern Booten fuhren


