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Der letzte Streit. „Beſchwingliche Schaaren Fliehn aus dunktem Wald, linter ihnen fahren Stürme mit wilder Gewalt; Doch über ihnen blinken Sterne mild und winken Den Zug zu der Palmen Ruh.“
Velhaven.
Cs gibt viel Kummer und viel Leiden auf Erden, es gibt Verbrechen und Krankheiten, man hört den Schrei der Verzweiflung und ſieht tiefe, lange, ſtille Qualen; ach wer zählt all das Elend der Menſchheit in ſeinen man⸗ nigfachen, zu Boden drückenden Fügungen? Aber Gott ſei Dank; es findet ſich auch ein Reichthum von Güte und Freude, man trifft auch edle Handlungen, erfüllte Hoffnungen, Augenblicke der Entzückung, Decennien er⸗ quicklichen Friedens, heitere Hochzeittage und ruhige, heitre Sterbelager.
Drei Monate nach dem zuletzt erwähnten Streite wurde auf Semb im Heimthale einer dieſer heitern Hoch⸗ zeittage gefeiert, wo ſich die Sonnen der Natur und des Menſchenherzens vereinigen, um auf Erden ein Paradies hervorzuzaubern, das—— ſtets da zu finden iſt, obgleich häufig von unterirdiſchen Mächten verdeckt, gefeſſelt und verſperrt.
Doch ſchimmern auf dem Antlitz der Gefallnen
Der Himmelsabkunft hohe Spuren durch,
Und Daphnes Herz ſchlägt unter harter Rinde.
Es war ein Herbſttag, aber einer der Herbſttage, wo eine ſommerwarme Sonne und eine kryſtallreine Luft die Erde in ihrer ſchönſten Pracht vor dem azurblauen Auge des Himmels erſcheinen läßt, wo die Natur einer Novize gleicht, die ſich in dem Augenblick, da ſie im Begriff iſt, den Schleier zu nehmen und in ihr winter⸗
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