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Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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nehm und ſtärkend. Madame Aſtrid beſchäftigte ſich viel mit ihr und ſuchte in allerhand Stücken den Mängeln ihrer verwahrlosten Erziehung nachzuhelfen. Suſanna war aber auch eine gelehrige Schuͤlerin und ſchloß ſich inniger als je an ihre Gebieterin an, während dieſe mit jedem Tage mehr die Wahrheit des Satzes an ſich erfuhr: Heilſam iſt der Athemzug der Jugend.

Zu Anfang Juli reiste Madame Aſtrid mit Suſanna wieder über die Gebirge, die ſie das erſtemal mit dem Tode bedroht hatten: aber um dieſe Jahreszeit iſt die Reiſe nicht gefährlich, wiewohl immer ſehr mühſam. Die Oberſtin befand ſich die ganze Zeit über bei der heiterſten Laune und ſchien mit jedem Tag muntrer zu werden. Suſannas Stimmung dagegen wurde immer düſtrer. So⸗

ar Madame Aſtrids Heiterkeit trug dazu bei und ſie ſyue ſich jetzt unendlich einſam.

Es war ein ſchöner Juliabend, als ſie ins Heimthal hinabkamen. Suſannas Herz ſchwoll vor Wehmuth beim Anblick der Orte und Gegenſtände, die ihr ſo theuer ge⸗ worden waren und von denen ſie bald auf immer ſcheiden ſollte. Sie waren ihr nie ſo entzückend vorgekommen. Sie ſah die Sonnenſtrahlen auf dem Kryſtallberg glänzen und erinnerte ſich der Sagen Haralds. Sie erblickte den Eichenhain, wo Madame Aſtrid oft geſeſſen und die Wohlgerüche eingeſogen hatte, die Suſannas Hand ihr ſtille bereitet. Und die Quelle dort, wo die Silberwurz und die Marienmäntelchen wuchſen, die klare Quelle, wo ſie ſo manche frohen Stunden zugebracht; Suſanna dürſtete gleichſam nach ihr. Die Fenſter von Semb glänzten in den Strahlen der Sonne, das Haus ſchien illuminirt zu ſein; dort hatte ſie gewirkt und geordnet; dort hatte ſie geliebt, dort hatten die Flammen des winterlichen Abendfeuers ſo klar zu Haralds Erzählungen geleuchtet; ſtille ſtiegen die Rauchſäulen aus den Hütten im Thale empor, wo ſie zu Hauſe war, wo ſie jedes Kind und

jede Kuh kannte, wo ſie die Sorgen und Frenden kannte, die da wohnten und wo ſie Haralds Herz zum erſtenmal

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