— W1—
—
—
X
157
legenen Bergen, Norwegens größter Handelsſtadt und dem Geburtsort Hollbergs, Dahls, Ole Bulls.
Indeß ſollte ſie ſich bald von allem dieſem und was noch härter war, von ihrer innig verehrten Gebieterin trennen; denn Suſanna hatte ſich feſt vorgenommen, Harald nicht wieder zu ſehen. Schamröthe bedeckte ihre Wangen, wenn ſie an das Bekenntniß im Gebirge zu⸗ rückdachte, als ſie zu ſterben glaubte, und ſie fühlte, daß ſie ihn nicht mehr ſehen, noch viel weniger aber in dem⸗ ſelben Hauſe mit ihm leben konnte, ohne die peinlichſte Verlegenheit auf beiden Seiten. Sie wollte daher nicht mehr nach Semb zurückkehren, ſondern ſo bald ihre Kräfte es geſtatteten, ſich von Bergen nach Schweden ein⸗ ſchiffen, in ihren Geburtsort zurückkehren und dort an ver Bruſt ihres kleinen Lieblings ihr eigenes Herz zu heilen und neue Kräfte zum Leben und Arbeiten zu ſammeln ſuchen.
Aber es wurde der armen Suſanna nicht leicht, vor ihrer Gebieterin mit dieſem Entſchluß aufzutreten. Sie zitterte heftig dabei und vermochte ihre Thränen nicht zu⸗ rückzuhalten.
Es war für ihre Gefühle zugleich beruhigend und ſtörend, als Madame Aſtrid, nachdem ſie ihren Vortrag ſtille angehört, mit großer Gelaſſenheit antwortete:
„Es ſteht dir frei, Suſanna, zu handeln, wie du es für gut findeſt, aber ich reiſe erſt in drei oder vier Mo⸗ naten(denn ſo lange halten mich meine Geſchäfte hier noch auf) nach Semb zurück, und es wird mir ſchwer fallen, auf der Reiſe dich zu entbehren.“
„Alſo begleite ich Sie noch,“ antwortete Suſanna voll Freude, daß man ihrer bedurfte,„aber dann...
„Dann,“ fuhr die Oberſtin fort,„wenn dn mich dann noch verlaſſen willſt, werde ich für deine ſichere Rückreiſe in dein Vaterland Sorge tragen.“
„Alſo noch einige Monate!“ dachte Suſanna mit wehmüthiger Freude.
Und dieſe Monate waren ihr unausſprechlich ange⸗


