Druckschrift 
Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
Einzelbild herunterladen

156

nehmen, damit er allmälig ſeine früheren Verhältniſſe vergeſſen ſollte. Krankheit kam der harten Behandlung zu Hülfe und nach einem Aufenthalt von wenigen Mona⸗ ten in ſeinem Hauſe fand K. das arme Kind ſo abge⸗ ſtumpft, daß er ohne Furcht vor Entdeckung Herrn Berg⸗ manns Wunſch erfüllen und ihm das Kind überlaſſen zu können glaubte, deſſen täglicher Anblick ihm ohnehin Un⸗ bebagtn verurſachte. Doch wir kehren zur Gegenwart zurück.

Harald war nach der Bergreiſe durch geſchickte ärzt⸗ liche Behandlung in Bergen bald wieder hergeſtellt wor⸗ den. Nachdem er Alettens Hochzeit angewohnt, hatte er eine Reiſe ins Ausland angetreten, wurde aber im Ver⸗ lauf des Sommers auf Semb zurückerwartet, wo er ſich niederlaſſen und bei der geliebten wiedergefundenen Tante bleiben ſollte.

Der alte, ehrliche Hallingthäler Führer hatte ſeinen

Tod im Gebirge gefunden. Sein Enkel weinte an ſeiner

Leiche, ſelbſt halbtodt vor Kälte und Hunger, bis es Leu⸗ ten aus den Thälern, die Madame Aſtrid und Harald abgeſandt, gelang, durch die Schneemaſſen einen Weg nach der Björöja⸗Senne zu bahnen und ihn zu befreien. Suſanna widmete dem Alten eine aufrichtige Thräne, empfand aber ſelbſt ein heimliches Bedauern, daß ſie nicht auch geſtorben war, wie er. Sie blickte der Zu⸗ kunft mit Unruhe entgegen. Aber als ſie wieder auf ſein konnte, als Madame Aſtrid ſie mit ſich ausfahren ließ, als ſie die Frühlingsluft verſpürte und das Meer und den klaren Himmel über den hohen Gebirgen und

die grünen Gärten zu den Füßen derſelben ſah, da er⸗

wachte in ihr wieder ein inniges Gefühl für die Schön⸗ heit der Erde und des Lebens. Mit Bewunderung und Freude betrachtete ſie die neuen Gegenſtände, die ſie umga⸗ ben, ſowohl die großartigen Naturgeſtalten, als das Le⸗ ben und die wechſelnden Scenen in der Stadt, denn Suſanna befand ſich jetzt in dem lebhaften, prächtig ge⸗