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Zärtlichkeit;„du wirſt noch länger für diejenigen leben, die dich lieben.“
„Ach wer liebt wich?“ ſagte Suſanna ſchwach und muthlos.
„Ich,“ antwortete die Stimme,„ich und mehrere. Aber ſei ruhig und ſtill— eine Mutter wacht über dich.“
Und Suſanna blieb ruhig und ſtill und überließ ſich in ihrer großen Schwäche mit dankbarer Hingebung der mütterlichen Pfiegerin. Madame Aſtrids Gegenwart, ſchon der Ton ihrer leiſen Schritte, ſchon der Anblick ihres Schattens flößte Suſanna wohlthuende Gefühle ein; Alles, was ſie durch ihre Hände empfing, war ihr angenehm und heilſam. Es entſtand zwiſchen Beiden ein Verhältniß voll lieblicher Innigkeit. Madame Aſtrid, die das junge Mäd⸗ chen unter ihren Händen gleichſam neugeboren werden ſah, faßte für ſie eine Zuneigung, die ſelbſt in eben dem Maße überraſchte, wie ſie Suſanna glücklich machte. Die ſtarke, geſunde Suſanna war ihr zu ferne geſtanden, die Schwache und in ihrer Schwäche ſo kindlich Liebende ſchlich ſich in ihr Herz und es war ihr dabei, als ob ihr Herz aufs Neue aufblühe.
So wirkt alle ächte Zuneigung, alle reine Liebe und das in jedem Lebensalter, denn die Liebe iſt der Sommer des Herzens und des Lebens.
Sobald Suſanna wieder zu Kräften und klarer Er⸗ innerung kam, bat ſie um Aufſchluß, wie es weiter auf der Gebirgsreiſe zugegangen ſei. Mit Verwunderung und Freude erfuhr ſie jetzt, daß Madame Aſtrid in Harald ih⸗ ren Schweſterſohn wieder gefunden habe und dadurch alles Dunkel aus ihrem Leben gewichen ſei.
Durch den Sergeanten Rönn und die Nachforſchun⸗ gen, die in Folge ſeiner Ausſagen angeſtellt wurden, hatte man in kurzer Zeit vollkommene Klarheit über Haralds Kindheitsverhältniſſe erlangt.
Man erfuhr, daß Herr K. ein Vertrauter des Ober⸗ ſten Hjielm und ſchlecht genug geweſen war, um für Geld auf alle ſeine Plane einzugehen und Harald zu ſich zu


