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Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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ſpielen, er hatte allein das Haus verlaſſen und ſeitdem hatte ihn Niemand mehr geſehen.

Zwanzig Jahre, lange, finſtre Jahre waren ſeit die⸗ ſer Stunde verfloſſen und die Hoffnung, die ſchwache Hoff⸗ nung, die ich zuweilen noch gehegt, mein geliebtes Kind wieder zu finden, war in meinem Herzen geſtorben. Mein Mann ſtarb, nachdem er mehrere Jahre hindurch in Folge eines Schlaganfalls ſeiner Leibes⸗ und Geiſteskräfte be⸗ raubt geweſen. Ich war frei, aber wofür ſollte ich leben? Ich hatte den Glauben an Alles verloren, was das Leben werth macht; ich ſtand einſam an der Schwelle des Al⸗ ters, nur von finſteren, bitteren Erinnerungen umgeben. So ſtand es noch vor wenigen Tagen um mich, als ich ein Schreiben vom gegenwärtigen Kommandanten in K. erhielt. In dieſem lag ein unverſiegelter Brief, von dem er mir meldete, man habe ihn in einem Schranke gefun⸗ den, in welchen mein Mann alte Briefe und Papiere ohne Werth und Bedeutung zu werfen pflegte. Und dieſer Brief.o wie hat er mein Herz und meine Zukunft verwandelt! Er war ganz unverkennbar kurz vor ſeinem ſchweren Anfall von meinem Manne geſchrieben und einige mit unſicherer Hand geſchriebene Worte ſagen mir, daß das vermißte Kind noch lebt und daß ich mich wegen wei⸗ terer Aufſchlüſſe an einem gewiſſen Sergeanten Rönn in Bergen zu wenden habe; hier ſcheint der Brief in Folge eines plötzlichen Unwohlſeins abgebrochen. Ich war zufällig an dieſem Tage nicht zu Hauſe geweſen. Als ich zurücktehrte, fand ich meinen Mann ſprach⸗ und beinahe leblos. In Folge eifriger Bemühungen wurde er zwar ins Leben zurückgerufen, allein ſein Bewußtſein blieb dunkel und ver halbe Körper lahm; ſo lebte er noch mehrere Jahre. In einem lichten Augenblick, den er kurz vor ſeinem Tode hatte, wollte er mir, bin ich feſt überzeugt, das wahre Verhältniß mit dem Knaben, oder das Daſein des eben genannten Briefs noch zu wiſſen thun, allein der Tod hinderte ihn!... Wie der Brief unter die alten Papiere geworfen wurde, begreife ich nicht; vielleicht