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Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
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verwirklichen, er ſollte. o! In meinem armen freude⸗ leeren Leben fühlte ich mich reich durch dieſen Knaben Aber der Mann, dem ich meine Hand gereicht, wollte es nicht dulden, daß mein Herz ſo ganz dem Kinde ge⸗ hören ſollte. Er warf einen Haß auf den armen Jungen und mein Leben wurde noch bitterer, als zuvor. Eines Tages mußte ich zu einem kranken Verwandten reiſen. Ich wollte den ſiebenjährigen Knaben mitnehmen, denn ich hatte mich noch nie von ihm getrennt. Aber mein Mann wünſchte ihn bei ſich zu behalten, und gebrauchte die Toͤne der Zärtlichkeit, um mich zu überreden. Dieſen konnte ich nicht widerſtehen, und trotz der Bitten des Kleinen und einer Angſt, die mir bedeutungsſchwer er⸗ ſchien, ließ ich mein armes Kind zurück. Ich glaubte kräftig zu handeln und ich war bloß ſchwach. Ich hatte der Mutter des Knaben gelobt ihn zu ſchützen ich wußte, daß ich ihn in harten, feindlichen Händen ließ und doch. Als ich nach einer Woche von mei⸗ ner Reiſe zurückkam, war das Kind verſchwunden. Es ſei, erzählte man mir, eines Tages ausgegangen und nicht zurückgekommen. Man habe überall nach ihm ſu⸗ chen laſſen und endlich ſeinen kleinen Hut auf einer Klippe am Meeresufer gefunden; ohne allen Zweifel ſei er hin⸗ abgeſtürzt. Ich fand meinen Mann damit beſchäftigt, ſich der Erbſchaft meiner Schweſter zu bemächtigen, die ihrem Teſtament gemäß, im Falle der Knabe ſterbe uns zu⸗ ſiel. Von dieſem Augenblick an wurde meine Seele von einem ſchauderhaften Argwohn ergriffen.1.! Gott ſei ge⸗ lobt, daß er falſch war! Gott verzeihe mir, daß ich ihn je gehegt habe! Zwanzig Jahre hindurch hat er an meinem Gemüthe gezehrt; zwanzig Jahre lang hat er ein Blei⸗ gewicht an die Erfüllung meiner Pflichten gehängt. Alle meine Nachforſchungen waren vergebens; Niemand konnte beargwohnt werden, Niemand ſchien ſo gehandelt zu ha⸗ ben, als allein ein grauſames Schickſal. Es blieb dabei, der Knabe hatte Erlaubniß erhalten, auszugehen und zu Bremer, Streit und Friede. 10