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Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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erhob ſie die Hände zu dem, der allein hier das einſame ſchutzloſe Mädchen ſah.

Hierauf ſetzte ſie ihren Weg zu Fuß fort.

Beſonders lang war der Weg zwar nicht und ſeine Schwierigkeit beſtand nicht in der Länge; aber wer Su⸗ ſanna geſehen hätte, wie ſie ſich durch den tiefen Schnee arbeitete und bald über Felſen glimmen, bald über Moräſte wandern mußte, in denen ſie mit jedem Schritt verſinken konnte der wäre gewiß über ihren Muth und ihre Stärke erſtaunt. Aber Gottes Engel, den der Alte ihr zum Ge⸗ leitsmann gewünſcht, ſchien bei ihr auf dem Wege zu ſein, denn das Schneegeſtöber nahm ab und von Zeit zu Zeit zuckte ein Mondsſtrahl hervor und zeigte ihr etwas von den Gegenſtänden, die Harald ihr als Merkmale beſchrieben hatte. Außerdem klang das zunehmende Geräuſche des Storliefalles wie die Poſaune der Auferſtehnng in ihren Ohren. Ein ſtarker Wille, das Aeußerſte zu verſuchen, und die heimliche Freude, ihre Liebe beweiſen zu können, ſollte es auch mit dem Verluſt ihres Lebens geſchehen, be⸗ flügelte ihre Schritte und ließ ihren Muth keinen Augen⸗ blick ſinken.

So vergingen zwei Stunden. Endlich hörte Su⸗ ſanna das Waſſer unter ihren Füßen rauſchen. Sie glaubte in einen Abgrund hinabzuſtürzen, den rings um⸗ her war eitel Finſterniß und Schnee. Einen Augenblick ſtand ſie in der entſetzlichſten Rathloſigkeit da. Da trenn⸗ ten ſich die Wolken und ließen den Halbmond, als er ge⸗ rade hinter einem Berge untergehen wollte, in vollem Glanze hervorſtrahlen. Suſanna erblickte jetzt den Ab⸗ grund, an deſſen Rande ſie ſtand; ſie ſah die breiten Waſ⸗ ſermaſſen im Mondſcheine glänzen, ſah die Sennerhütte drunten!.

Unter dem Steingewölbe, wo Madame Aſtrid und Harald ſich befanden, herrſchte nach Suſannas Entfer⸗ nung einen Augenblick ein tiefes unheimliches Schweigen.