Druckschrift 
Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
Einzelbild herunterladen

139

nur eine optiſche Täuſchung, verurſacht durch den un⸗ gleichen Tritt des Pferdes und den tiefen Schneenebel, durch welchen ſie ihn ſah. Hatte doch Alles um ſie her ein ganz verwirrtes Ausſehen und erſchien ſchwebend und geſpenſterhaft. Ein dumpfer Schrei von Madame Aſtrid unterbrach das unheimliche Schweigen und war dieß auch Täuſchung? Haralds Pferd ſtand reiterlos ſtille. Leider war es nur allzu wirklich; er war von einem Schwin⸗ del erfaßt herabgeſunken. Lange hatte er ſchweigend die immer zunehmenden Schmerzen in Schulter und Bruſt ertragen und ſowohl ſich als den Andern den Fieberſchwin⸗ del zu verbergen geſucht, der ſeinen Kopf angriff. Auch jetzt, als er überwältigend geworden war, wollte er der Sache keine Bedeutung beilegen und machte mit Hülfe des Bauern mehrere Verſuche ſich wieder aufs Pferd zu ſetzen, aber vergebens! Er vermochte ſeinen fieberwilden Kopf nicht mehr in die Höhe zu halten. Im Schnee knieend und mit ſtummer Erbitterung lehnte er ſeine brennende Stirne an ein Felsſtück.

Alſo hier hier ſollen wir ſterben! ſagte Ma⸗ dame Aſtrid mit düſtrem Tone halblaut vor ſich hin und dieſe jungen Menſchen ſollen meinetwegen geopfert werden! Mein Schickſal bleibt ſich doch wenigſtens gleich.

Jetzt trat ein Augenblick fürchterlicher Stille ein. Menſch und Thiere ſtanden unbeweglich und wie verſteinert da, während der Schnee über ſie herabſiel und ſie hier zu begraben drohte.

Auf einmal erhob ſich eine klare, lebhafte Stimme und ſagte:

Ich ſehe dort eine Klippe, die gegen den Schnee Schutz gewährt. Dorthin müſſen wir ihn führen. Und Suſannä richtete Harald auf, faßte ihn beim Arme und ſchickte den Knecht voraus, um einen Weg durch den Schnee zu bahnen. Etwa vierzig Schritte von der Stelle, wo ſie ſich befanden, ſprang wirklich aus dem Boden ein gewölbtes Felsſtück hervor, unter welchem man Schutz