Druckschrift 
Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
Einzelbild herunterladen

136

noch in kurzen Stößen ſeinen eiſigen Hauch zu fühlen. Aber von Zeit zu Zeit hörte man ein Gekrach und Ge⸗ töſe, wie von einem ſtarken Donner. Es war der ſoge⸗ nannte Fjellskred oder das Stürzen großer Felsblöcke und Steine, die ſich von den Bergen losreißen und her⸗ abfallen, was in dieſen Gegenden bei und nach Stürmen gewöhnlich iſt. Die Führer erzählten mehrere Beiſpiele, wo ganze Höfe und Menſchen von ſolchen Trümmern zer⸗ malmt wurden.

Der Weg wurde immer beſchwerlicher. Man mußte oft durch brauſende Ströme waten und ſich über natür⸗ liche Schneebrücken wagen, unter denen Gebirgsbäche dahin rollten. Der eben ſo kühne, als kluge und beſonnene Harald wandte oft mit eigenem bedeutendem Ruſiko alle Gefahren von Madame Aſtrid und Suſanna ab. Auch war er nicht mehr ſo blaß. Die Anſtrengung und ein Fieber, das noch Niemand ahnte, ließ den ſchönſten Pur⸗ pur auf ſeinen Wangen flammen.

Nachmittags nahte man ſich dem höchſten Punct des Gebirges. Hier waren zwei große Steinhaufen aufge⸗ thürmt in der Nähe eines kleinen Sees, genannt Skif⸗ teſiö, der ſelbſt im heißeſten Sommer mit nie ſchmelzen⸗ dem Eiſe bedeckt iſt. Von hier aus beginnen die Bäche nach Weſten zu ſtrömen und der Weg wieder abwärts zu gehen. In der Ferne zeigten ſich die Rieſengeſtalten des Vasfjern und Ishaugen nebſt mehreren andern hohen Schneebergen.

Der Wind hatte ſich beinahe ganz gelegt, dagegen begann es ſtark zu ſchneien und trübe und bleiſchwer ſenkte ſich der Wolkenhimmel über die Häupter der Rei⸗ ſenden.

Wir müſſen eilen, eilen! ſagte der alte Hallingthäler, indem er ſich mit einem bedeutungsvollen Blick nach dem Zuge umſah, den er anführte,ſonſt könnten wir leicht auf dem Gebirge eingeſchneit werden, wie es der ſeligen Köni⸗ gin Margarethe um ein Haar ergangen iſt, als. Er vollendete ſeine Rede nicht, denn auf einmal

.