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Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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In Norwegen gibt es eine freundliche Sitte, tura jul oder die Weihnachtsrunde genannt. Sie beſteht darin, daß man an Weihnachten in Proceſſion herumzieht, einander in den gaſtfreien Häuſern beſucht und daſelbſt ſchmaust, ſpielt und tanzt.

Die Weihnachtsrunde kam auch in das abgeſonderte einſame Heimthal. Der Pfarrer der Parochialgemeinde, der freundliche, gaſtfreie Paſtor Middelberg hatte nemlich rundherum in der Gegend an Freunde und Bekannte ein Aufgebot ausgehen und auch dpie Einwohner von Semb auf den zweiten Weihnachtstag zu einem Schmauſe in ſei⸗ ner Wohnung einladen laſſen.

Die Oberſtin entſchuldigte ſich, bat aber Suſanna und Harald hinzugehen. Es hatte gerade mehrere Tage hin⸗ durch gefroren und friſch geſchneit, ſo daß die Bahn herr⸗ lich war, und Harald, deſſen gute Laune ſich wieder einge⸗ ſtellt hatte, ſchien ſich ein Vergnügen daraus zu machen, Suſanna mit klingenden Schellen in einem Schlitten nach dem Pfarrhauſe zu führen.

Die Oberſtin hatte wieder ihr gewöhnliches Weſen und Ausſehen, und Suſanna, die über ſämmtliche Folgen ihrer verunglückten Weihnachtsüberraſchung wieder beruhigt war, konnte ſich mit leichterem Herzen den angenehmen Eindrü⸗ cken überlaſſen, welche die Spazierſahrt bot. Und deren waren viele und reiche für eine ſo wenig durch Vergnü⸗ gungen verwöhnte Perſon, wie die mit einer ſo offenen Seele begabte Suſanna. Die Luft war ſo klar, der Schnee ſo glänzend, Berg und Wälder ſo prächtig, das Pferd ſo munter, und Harald fuhr ſo unbeſchreiblich geſchickt, die ſchwierigſten Stellen waren ihm ein Kinderſpiel, ſo daß Suſanna einmal übers andere ausrief:„Ach wie ſchön! ach wie angenehm!“

Uederdieß war Harald ganz ungewöhnlich artig und unterhaltend. Aeußerſt beſorgt, daß Suſanna recht be⸗ quem ſitze, ihre Füße warm halte u. ſi w., ließ er es ſich zugleich angelegen ſein, ihr alle Merkwürdigkeiten und Schönheiten der Gegend zu zeigen; er erzählte ihr vieles

Bremer, Streit und Friede. 4