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Suſanna bat um Erlaubniß, ein Glas Milch brin⸗ gen zu dürfen, was Madame Aſtrid auch geſtattete, aber nachdem ſie es hereingebracht, mußte ſie ſich zu ihrer gro⸗ ßen Qual wieder entfernen. Als ſie zu Harald hinaus⸗ kam, ergoß ſie gegen ihn ihren ganzen Schmerz über das unglückliche Ereigniß und erzählte ihm von der heftigen Gemüthsbewegung der Oberſtin, ſo wie ihren düſtren, troſt⸗ loſen Worten.
Harald wurde dabei bleich und nachdenklich, und dieß machte Suſanna noch beſtürzter. Sie hatte zwar noch eine fleine Freudenmine übrig, auf deren EFrploſion ſie ſich ſehr gefreut hatte, allein ſie brachte auf die verſtörten Sinne keine Wirkung mehr hervor. Harald lächelte zwar und rief:„Ei der tauſend!“ als die Weſte aus dem Wai⸗ zenbrödchen hervorſprang, auch dankte er Suſanna mit einem Händedruck, allein er hatte ſichtbarlich ſo wenig Freude an ihrem Geſchenk, ſeine Gedanken waren ſo au⸗ genſcheinlich auf einen andern Gegenſtand gerichtet, daß jetzt jeder Schimmer einer Weihnachtsluſt für Suſanna erloſch. Als ſie allein auf ihrem Zimmer war und vom Fenſter aus ſah, wie von jeder Hütte im Thale ein klei⸗ ner Lichtſtrahl ausging und dachte, wie da drinnen im vertraulichen Kreiſe Eltern, Kinder, Geſchwiſter und Freunde verſammelt ſeien, da empfand ſie es ſchmerzlich, daß ſie allein ſtand in fremdem Lande, und als ſie ſich
erinnerte, wie ſie früher an dieſem Abend ihre kleine Hulda glücklich gemacht und wie ihr immer alle Unter⸗ nehmungen für ſie ſo gut gelungen waren, da zog ſie ein Tüchlein hervor, das ſonſt den Hals der geliebten kleinen Schweſter umſchloſſen hatte und bedeckte es mit heißen Thränen und Küſſen. Einen großen Theil der Nacht brachte Suſanna auf der Schwelle ihrer Gebieterin zu und lauſchte angſtvoll auf die Schritte, die ſich unauf⸗ hörlich im Zimmer vernehmen ließen. Aber außer eini⸗ gen tiefen Seufzern hörte ſie keinen Schmerzensruf, der ſie berechtigt hätte, die Einſamkeit ver Oberſtin zu ſtören. Wir wollen uns jetzt heiterern Bildern zuwenden.
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