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geblieben. Dieß war wohl der Grund, daß ſie am Mor⸗ gen des heiligen Abends die Zeit verſchlief. Sie wurde von einem ſtarken Vogelgezwitſcher vor ihrem Fenſter ge⸗ weckt und ihr Gewiſſen machte ihr den Vorwurf, daß ſie über den Geſchäften der letzten Tage ihre Voͤgelein, denen ſie ſonſt Korn und Brodkuchen in den Schnee zu werfen pflegte, gänzlich vergeſſen hatte. Jetzt waren ſie gekom⸗ inen, ſie daran zu mahnen.— Ach wenn alle Mahnungen dem Vogelgezwitſcher glichen!— Aergerlich über ihre Vergeßlichkeit, eilte Sufanna ſich anzukleiden und die Vor⸗ hänge aufzuziehen. Und ſiehe da vor ihrem Fenſter ſtand eine hohe, ſchlanke Tanne, in deren grünem, kranzförmig ausgeſchnittenem Wipfel ein großes Bündel goldgelber Haferähren prangte, umſchwärmt von zahlreichen Schaaren pickender und zwitſchernder Sperlinge und Buchfinken. Suſanna erröthete und dachte an Harald. Die Leute im Hauſe antworteten auf ihre Frage lächelnd, der Verwalter habe den Baum gepflanzt. Aber der Verwalter ſelbſt ſiellte ſich, als ob er der Sache ganz fremd wäre, und fonnte ſich nicht genug verwundern über den Baum mit dem Haferſtrauß und wie er dahin gekommen.
„Er muß,“ ſagte er,„von ſelbſt über Nacht empor⸗ geſchoſſen ſein, und das kann nur von der wunderbaren Kraft des herrlichen norwegiſchen Bodens herkommen, wovon jedes Stäubchen pulverifirtes Urgebirge iſt. Nur ein ſolcher Boden kann ſolche Wunderdinge hervorbringen.“ Im Laufe des Vormittags ging Harald mit Suſanna in die Ställe, wo ſie mit eigenen Händen den Kühen Hafer, den Schafen Brod und dem kleinen Federvieh Grütze aus⸗ theilten. In der Republik der Hühner bemerkten ſie große Verſchiedenheit in den Characteren⸗ Einige griffen ge⸗ fräßig zu und drängten die Andern pickend und kratzend weg, andere dagegen hielten ſich in beſcheidener Entfernung und pickten begnügſam die Körner, die das Glück ihnen zuführte; einige ſchienen es ſogar den andern beſſer zu
gönnen, als ſich ſelbſt. Unter dieſen edlen Naturen zeich⸗ nete ſich namentlich ein junger Hahn mit hohem Kamme,


