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Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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vom Muth der Liebe geleitetes Mädchen auffand. Auf dieſem Pfade ging die ſchöne Marie des Weſtfjordthales mit leichten, ſichern Schritten ihrem Jugendfreund und Geliebten Ejſtein Halſvordſen entgegen. Aber ihres Va⸗ ters Geiz trennte die Beiden und von Mariens Thränen und Bitten bewegt, mußte Ejſtein vor den hinterliſtigen Anſchlägen eines Nebenbuhlers auf ſein Leben fliehen. Jahre vergingen und Marie war ſtandhaft in ihrer Treue. Ihr Vater ſtarb: Ejſtein hatte durch Tapferkeit und Edelmuth in ſeinem frühern Feind einen Freund gewonnen, und die Liebenden ſollten nach langer Trennung ſich wieder treffen, um nie mehr von einander zu ſcheiden. Ejſtein eilte auf dem gefährlichen Weg der Geliebten entgegen. Lange hatte ſie ihn erwartet. Sie ſah ihn kommen und rief ſeinen Namen mit einem Freudenſchrei. Er erblickte ſie gleich⸗ falls; heftig ſtreckten ſich ſeine Arme wie ſeine ganze Seele gegen ſie aus, und er vergaß daß er keine Schwingen hatte. Er ſtürzte hinab und der Rjukan verſchlang ihn in ſeiner ſchäumenden Tiefe.

Noch viele Jahre wanderte täglich auf dem Maria⸗ ſteig eine bleiche Geſtalt mit dem Ausdruck ſtillen Wahn⸗ ſinns in ihren ſchönen Zügen den grauenvollen Pfad hinan, neigte ſich über den Waſſerfall und ſchien mit Jemand unten in der Tiefe zu ſprechen. Mit wehmüthi⸗ ger Freude kam ſie jedesmal von dieſer Wanderung zu⸗ rück und ſagte zu den Ihrigen in der Hütte:Jetzt habe ich mit ihm geſprochen und er bat mich jeden Tag zu kommen, um ihm zu ſagen, wie ich lebe. Es wäre Sünde, es ihm abzuſchlagen; er iſt ſo gut und liebt mich ſo treu.

So ging ſie noch, als ihr das Silberhaar um die runzligen Wangen im Winde flatterte, ſo ging ſie, bis eine barmherzige Stimme die müde Wandererin auf den Himmelspfad rief zur Ruhe und Freude in den Armen des Geliebten.

Weniger traurig, aber nicht minder intereſſant für Suſanna war die alte Sage von Halgrim.