niſſe vor, und wie der kleinen Hulda Bett mit einem hell⸗ blauen Mouſſelinvorhang umgeben war, und wie des Mor⸗ gens ein Sonnenſtrahl ſich ins Zimmer ſtahl, um das Kopfkiſſen des Kindes zu beleuchten und ſeinen Lockenkopf zu küſſen. Wie ſchelmiſch war nicht die Kleine, wenn Su⸗ ſanna Abends ſpät kam, um ſich zur Ruhe zu begeben, und ihr erſter Blick immer auf das Bett fiel, wo ihr Lieb⸗ ling lag! Aber ſie ſah ſie nicht, denn Hulda ſteckte dann ihr Köpfchen unter die Decke, um ſich vor der Schweſter zu verbergen. Suſanna ſtellte ſich, als ſuche ſie nach ihr, aber ſie brauchte blos mit ängſtlicher Stimme zu ſagen: „Ach Gott, wo iſt meine kleine Hulda?“ um den Kopf der Kleinen ſogleich wieder heraufzulocken, ihre ausgeſtreck⸗ ten Arme zu ſehen und ſie rufen zu hören;„Hier bin ich, Sanne, hier iſt deine kleine Hulda!“ Und wenn ſie dann ihren kleinen Liebling in ihre Arme und an ihr Herz vrückte, da war Suſanna glücklich und vergaß alle Be⸗ kümmerniſſe und Laſten des Lebens.
Bei der Erinnerung an dieſe Stunden rannen oft Suſannas Thränen und hinderten ſie, den feuchten Glanz zu bemerken, der mitunter auch in Haralds Augen dabei aufſtieg. Indeß auch Harald hatte Dinge zu erzählen, die zwar nicht ſo zarter Natur, aber doch intereſſant ge⸗ nug waren, um Suſannas ganze Aufmerkſamkeit in höch⸗ ſtem Grade in Anſpruch zu nehmen und uns zu veran⸗ laſſen, zugleich zu einem neuen Kapitel überzugehen.


