Druckschrift 
Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
Einzelbild herunterladen

N

W

d

n⸗ en en

70

7

Gott. Mit dieſen ſinkt Alles, Könnte ich glauben, daß mein ergebener treuer Wandel an der Seite des Gatten, den ich einſt ſo innig geliebt, um deſſen willen ich in der Feſtung, wo er befehligte, ein Leben hinſchleppte, gegen welches das des Gefangenen wonnevoll war, dem ich, ſelbſt als ich ihn nicht mehr liebte, getreu folgte, weil er meiner bedurfte, weil er ohne mich allein geweſen wäre, finſtern Geiſtern preisgegeben dem ich folgte, weil es Recht und Pflicht war, weil ich es ihm vor Gott gelobt hatte o könnte ich glauben, daß dieſe Treue wohlthuend gewirkt, daß meine Bemühungen eine Frucht getragen hätten, dann würde ich nicht, wie jetzt, fragen: Warum wurde ich geboren? Warum habe ich gelebt? Aber Nichts, Nichts!

Könnte ich denken, jenſeits des Grabes dem holden, liebevollen Blick meiner einzigen Schweſter zu begegnen, dann würde ich dem Tod freudig entgegenſehen. Aber was werde ich ihr antworten, wenn ſie nach ihrem Schmerzenskinde fragt? Wie wird ſie die ungetreue Wärterin anblicken?

O, mein Freund! Mein Unglück iſt nicht roman⸗ hafter Art, es iſt kein Unglück, das nur dazu dient, ſchönen Tagen einen ſtarken Schatten zu geben. Es iſt eine lang⸗ ſame Winterdämmerung, die nur zu einer tieſeren Nacht ſührt. Und bin ich wohl die Einzige hierin? Schlagen Sie das Blatt der Geſchichte auf, ach ſehen Sie um ſich in der Gegenwart und Sie werden Tauſende von Leiden⸗ den, von unſchuldig Leidenden ſehen, die nach langen Qua⸗ len in der Verzweiflung dahingehen. Aber zu einem andern, zu einem glücklichern Leben! Eitnziger Troſt, einzige Hoffnung, einziger wahrer Lichtpunkt im Dunkel des Erdenlebens nein, nein, dir will ich nicht entſagen! Ich will an dich glauben und in dieſem Glau⸗ ben das oft aufſteigende Murren gegen den Schöpfer der Welt zum Schweigen bringen.

Ich bin krank und glaube nicht, daß ich dieſen Winter überleben werde. Ich athme ſchwer und vielleicht trägt dieſer Schmerz zu dem unausſprechlichen Drucke