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ſichtlich tief angegriffen und ein heftiger Krampf zog ihr oft die Bruſt zuſammen, aber Nacht oder Tag, wenn er ſich aufrichten wollte, war ſie es, um deren geduldig niedergebeugten Nacken er ſeinen Arm legte. Sie ſtand an ſeiner Seite und ſtützte ihn in der kalten Douche, die ſeine betäubten Lebenskräfte wieder erwecken ſollte und die ihrigen zerſtörte. Sie war ſtets bei der Hand, immer feſt und handelnd, ſelten ſprechend, niemals klagend. Nur aus einem ſchmerzlichen Zuge in ihrem Geſichte und einer gewiſſen Art, wie ſie die Hand aufs Herz legte, konnte man ſehen, daß ſie litt. Suſanna hatte Gelegenheit, Alles dieſes zu beobachten, und Bewunderung und Theil⸗ nahme erfüllten ihre Bruſt. Es gelang ihr bald, der ed⸗ len Frau zu Hülfe zu kommen, ihr in ihrem jugendſtar⸗ ken Arm eine Stütze anzubieten, um den Kranken pflegen zu können, wenn die Augen der Oberſtin ſich aus Müdig⸗ keit ſchloſſen. Und zum Glück duldete der Kranke ſie um ſich. Suſanna wurde Zeugin des letzten unheimlichen Auf⸗ tritts am Bette des Oberſten. Er ſchien ſich die größte Mühe zu geben, um noch etwas zu ſagen, aber er konnte nicht. Er gab zu verſtehen, daß er ſchreiben wolle, aber ſeine Finger vermochten die Feder nicht zu halten. Da malte ſich heftige Unruhe in den verzerrten Zügen. Jetzt neigte ſich ſeine Gattin über ihn, indem ſie mit einem Ausdruck der entſetzlichſten Angſt eine ſeiner Hände ergriff und flüſterte:„Gib mir nur ein Zeichen zur Antwort! Sprich, o ſprich! Lebt er noch?“
Der Kranke heftete einen ſtieren Blick auf ſie und— ſenkte den Kopf. War dieß eine bejahende Antwort, oder war es die Hand des Todes, die ihm verbot, zu antwor⸗ ten? Niemand konnte es ſagen, denn der Kopf erhob ſich nicht mehr. Es war ſeine letzte Bewegung geweſen.
Mehrere Tage lang ſchien die Oberſtin unter häufigen Krampfanfällen dem Tode nahe zu ſein. Suſanna wachte unaufhörlich bei ihr und fühlte ſich glücklich, ſie pflegen und bedienen zu dürfen. Sie hatte eine Art leidenſchaft⸗ liche Hingebung für Madame Aſtrid gefaßt, wie junge


