vom Fenſter aus mit ſtiller Wehmuth den grünen Baum,
deſſen Zweige und Laub freundlich und einladend im Winde
zu ihr herübernickten.
. Allmählig winkte das grüne Laub in ihrer Seele Ge⸗ danken und Plane hervor, die ſich endlich zu einem feſten Bilde geſtalteten, d. h. zu einem Bild von Haus und Hof, das von nun an das Paradies ihrer Seele und ihr Le⸗ benszweck wurde. Sie dachte ſich dabei ein kleines Gütchen, das ſie pachten, anbauen und vermöge ihrer Arbeitskraft und Umſicht einträglich machen könne. Sie pflanzte Kar⸗ toffeln, ſie melkte die Kühe und machte Butter. Sie ſäete, ſie erntete und die Arbeit war ihr eine Freude, denn dort im weichen Graſe unter dem grünenden, wehenden Baume ſaß die kleine Hulda und ſpielte mit Blumen, und ihre blauen Augen ſtrahlten von Seligkeit, und keine Sorge, keine Noth kam ihr nahe.
Suſannas Dichten und Trachten war jetzt auf Ver⸗ wirklichung dieſes Bildes gerichtet, der nächſte Schritt da⸗ zu war, einen guten Dienſt zu erhalten, wobei ſie, wenn fie ihren Lohn zuſammenſparte, die zur Ausführung ihres ländlichen Vorhabens nöthige Summe zuſammenbringen könnte. Sie ſpiegelte ſich vor, dieß in wenigen Jahren nerreichen zu können, und ſah ſich daher nach einem paſſen⸗ den Dienſt um.
Unter den Badgäſten, die dießmal den unweit Ud⸗ devalla gelegenen Guſtavsberg beſuchten, befand ſich ein norwegiſcher Oberſt mit ſeiner Frau. Der Oberſt war vom Schlage gelähmt und des Gebrauchs der Zunge und der Hände beraubt. Er war ein großer Mann von wildem, hartem Ausſehen und obgleich er Niemand um ſich dulden zu können ſchien, als ſeine Frau und beſtän⸗ dig ihre Pflege in Anſpruch nahm, ſo geſchah es doch ſichtbarlich nicht aus Liebe. Eben ſo klar lag am Tage, daß die Oberſtin, obgleich ſie ſich unermüdlich mit bei⸗ ſpielloſer Selbſtverläugnung ſeinem Dienſte widmete, auch
nicht durch Liebe, ſondern durch irgend eine wunderbare
Kraft dazu getrieben wurde. Ihre eigene Geſundheit war


