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Da ſie ſtark und groß, überdieß dienſtwillig und warm⸗ herzig war, machte man ſie bald zur Dienerin des gan⸗ zen Hauſes. Die Töchter vom Hauſe ſagten zu ihr, ſie tauge zu nichts Anderem, denn ſie lerne ja nichts und habe ſo ungebildete Manieren, überdieß habe man ſie blos aus Barmherzigkeit aufgenommen, ſie beſitze ja gar Nichts u. ſ. w., was Alles man ihr zu wiederholten Malen auf eine höchſt unzarte Art zu erkennen gab, ſo daß Suſanna manche bittere Thräne des Zornes und Schmerzes darüber vergoß. Ein einziger Mund fand ſich, der nie anders als in den ſchmeichelnden Tönen der Liebe zu Suſanna ſprach und dieß war der ihrer kleinen Schweſter, der goldgelockten Hulda. Sie hatte in Suſannas Armen ihre Wiege, in ihrer Pflege den Schutz der zärtlichſten Mutter gefunden. Suſanna hatte ſich von ihrer Geburt an der kleinen Verlaſſenen ange⸗ nommen, und nie hat eine junge Mutter ihr erſtgebornes Kind wärmer und inniger geliebt, als Suſanna ihre kleine Hulda liebte, die unter ihrer Pflege auch das ſchönſte und liebenswürdigſte Kind wurde, das man ſehen konnte. Und wehe dem, der der kleinen Hulda zu nahe trat! Er hatte die ganze Kraft von Suſannas oft recht handfeſtem Zorn zu empfinden. Ihretwegen hielt es Suſanna hier mehrere mühevolle Dienſtjahre aus, aber als ſie kein Ende derſelben ſah, und gleichwohl kaum ſich ſelbſt und ihre kleine Schweſter anſtändig kleiden konnte, als ſie ſich über⸗ dieß durch die Menge der Geſchäfte verhindert ſah, ihr die nöthige Pflege angedeihen zu laſſen, ſo ſchaute ſich Su⸗ ſanna in ihrem zwanzigſten Jahre nach einem andern beſ⸗ ſern Platze um.
Von der engen Wohnung aus, wo ſie trübe Tage verlebt, konnte Suſanna einen Baum ſehen, der ſeine Zweige hinter einer Planke auf die Straße herüberneigte. Manchen Frühlings⸗ und Sommerabend, wenn die andern im Hauſe auf einer Luſtpartie waren, ſaß Suſanna ſtille bei der kleinen ſchlafenden Hulda in dem kleinen Zimmer, das ſie für ſich und ſie eingerichtet hatte und betrachtete


