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Streit und Friede oder Scenen aus Norwegen : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwed. übers. von G. Fink
Entstehung
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Dieſe bekümmerte ſich bloß um die Wirthſchaft und ihre Kaffeeſchweſtern, ſie ließ ihren Bruder in ſeinem Klubb Unterhaltung ſuchen und das Kind für ſich ſelbſt ſorgen. Die ganze Erziehung der kleinen Suſanna beſtand darin, daß man ſie nothdürftig leſen lehrte, und wenn ſie un⸗ artig war, zu ihr ſagte:Iſt jetzt Babara wieder da? Pfui über Barbara! Hinaus mit Barbara! wenn ſie aber wieder artig wurde:Ei jetzt iſt Sannchen wieder hier, willkommen, liebes Sannchen! eine Methode, die aller⸗ dings vernünftig angewendet, manches Gute haben mag. Aber oft wurde die Kleine als Varbara angeredet, wenn es durchaus nicht nöthig war, und dieß hatte die Wirkung, die beſagte Perſoͤnlichkeit nur öfter heraufzubeſchwören. In⸗ zwiſchen gewöhnte ſich das Kind daran, als Barbara hinauszugehen und als Sannchen zurückzukommen, und dieß brachte ihr frühzeitig einen Begriff von den zwei Naturen bei, die ſich in ihr, wie bei jedem andern Menſchen bei⸗ ſammen fanden. Dieſes Bewußtſein bildete ſich bei Su⸗ ſanna zur vollkommenen Klarheit durch den Religionsun⸗ terricht, die einzige Bildung, die das arme Mädchen er⸗ hielt. Aber wie unendlich viel iſt ſie nicht für einen of⸗ fenen Sinn, wenn ſie von einem guten Lehrer beigebracht wird! Suſanna war ſo glücklich, einen ſolchen zu erhalten und ſie lernte jetzt in Barbara den Erdgeiſt kennen, der bekämpft, in Sannchen dagegen das Himmelskind, das be⸗ freit und verklärt werden mußte, und mit dieſem Augen⸗ blick begann zwiſchen Barbara und Sannchen ein offener Streit, der täglich geführt wurde und wobei meiſtens letztere die Oberhand behielt, wenn Suſanna nicht gar zu ſchnell von ihrem natürlichen ſtolzen und auffahrenden Sinn über⸗ raſcht wurde.

Als Suſanna zwölf Jahre alt war, heirathete ihr Vater zum zweiten Male, wurde aber wieder Wittwer, während ſeine Frau ihm eine Tochter ſchenkte. Zwei Monate darauf ſtarb er ebenfalls. Nahe Verwandte nahmen die vater⸗ und mutterloſen Kinder zu ſich. In vieſer neuen Heimath hatte Suſanng viel zu erdulden.

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