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unbemerkt an ihr vorbeigleiten müßten. Ich empfand eine unwillkürliche Verehrung für ſie, wie ich ſie bisher für Niemand empfunden und zugleich ein großes Verlan⸗ gen, ihr näher zu kommen, ihr nützlich zu ſein, ihre Ach⸗ tung zu verdienen und erwerben— es ſchien mir, als ob ich ſelbſt dadurch größer oder wenigſtens beſſer werden müßte. Als ich daher erfuhr, daß ſie für ihr ſehr ver⸗ fallenes Gut einen geſchickten, kenntnißreichen Verwalter ſuche, bot ich ihr in aller(oder vielmehr ohne alle) Be⸗ ſcheidenheit meine Dienſte als ſolcher an und hatte bei⸗ nahe eine kindiſche Freudt, als ſie mich annahm, worauf ich ſogleich nach ihrem Gute abreiste, um mich daſelbſt heimiſch zu machen und Alles zu ihrem Empfang vorzube⸗ reiten.“
So viel von Harald, jetzt zu Suſanna.
Barbara Suſanna Bförk war nicht ſchön, ja ſie konnte nicht einmal hübſch genannt werden,(dazu war ſie zu groß und zu ſtark) aber ſie konnte doch recht gut ausſehen. Die blauen Augen blickten ſo redlich und offen in die Welt hinein, ihr rundes volles Geſicht zeugte von Geſundheit, Güte und Lebensluſt, und wenn Suſanna heiter war, wenn ihr friſcher Mund ſich zu einem herz⸗ lichen Lachen öffnete, ſo konnte man ſchon durch ihren An⸗ blick zur Heiterkeit mitgeſtimmt werden. Freilich war ſie ſehr oft bei ſchlechter Laune und dann ſah ſie nichts we⸗ niger, als anmuthig aus. Sie war ein großes, wohlge⸗ bautes Mädchen, zu kräftig in ihren Bewegungen, um graziös zu ſein, und ihr ganzes Weſen verrieth einen ge⸗ wiſſen Mangel an Bildung.
Das arme Kind! Wie hätte ſie auch in dem an Un⸗ ordnung, Armuth und Eitelkeit reichen Hauſe, wo ſie den größten Theil ihres Lebens zugebracht hatte, Bildung er⸗ werben ſollen!
Ihr Vater war Bürgermeiſter in Uddevalla; ihre Mutter ſtarb, bevor die Tochter ein Jahr zurückgelegt hatte. Jetzt kam eine Tante, Schweſter des Vaters ins Haus.
Bremer, Streit und Friede.


