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vey. Mit treuer Genauigkeit erzählte ſie Alles, was vor⸗ gefallen war, und ſchloß ihren Brief mit folgenden Worten:
„Sie ſehen ſo gut als ich, was jetzt zu thun iſt. Es ſcheint mir für Ninas Ruhe wichtig, mit Ihnen nicht mehr zuſammenzutreffen; es iſt auch ihr eigener Wunſch, ihre Bitte an Sie. Eine Begegnung mit Ihnen könnte ihr nur die grauſamſten Qualen verurſachen. Der letzte Wille der dahingegangenen Edla, das ihr gegebene Ver⸗ ſprechen ſoll und muß ihr heilig ſein. Gott der Allmäch⸗ tige ſtärke ſie! Und möge Ihre Kraft zu entſagen eine Stütze und ein Vorbild für ſie ſein! Seit Edlas Tod liegt ſie in einem beſtändigen Schlummer und ich danke Gott dafür, denn ſie bedarf der Ruhe nach dem, was vorge⸗ fallen iſt; ſie muß Kräfte ſammeln für das, was ihr be⸗ vorſteht. Ich kenne Sie und ich verlaſſe mich auf Sie. Noch einmal! Nina darf Sie nicht wieder ſehen! Glauben Sie mir, daß ich mit Ihnen fühle. Ich hätte gewünſcht, durch die That beweiſen zu können, wie ſehr ich von ganzer Seele bin
Ihre aufrichtige Freundin M. H.“
Am Schluſſe des Briefes ſtand von Ninas zitternder Hand geſchrieben:
„O Eduard! Lebe wohl! Verzeih'!.. Leb' wohl auf immer!“
Ehe jedoch dieſer Brief in Herveys Hände gelangt, müſſen wir ihn beſuchen und uns daher um einige Tage zurüͤckverſetzen.
Ein Gefühl, wie vasjenige, das ihn beim Abſchied von Nina zerriß, hatte Eduard Hervey noch nie gehabt. Es wäre ihm leichter geweſen, vom Leben zu ſcheiden und ſein ſanguiniſches Temperament, ſowie ſein tief religiöſes Gemüth waren dießmal nicht mächtig genug, eine unbe⸗ greifliche Qual, die während der ganzen Reiſe wie eine


