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ein Zittern über ihre Lippen.„Ihr Vorwurf iſt ſtreng,“ ſagte ſie,„aber ich danke Ihnen. Und doch— ich habe ja Ihn von ganzem Herzen geliebt, den Heiligen, den Allgütigen! Ich habe den Weg zu gehen geſucht, den Er zeigt. Warum ſollte ich da nicht hoffen, nicht freudig ſein?..“ Edla ſchwieg auf's Neue, rief aber bald wieder mit hohem Leben und verklärtem Ausdruck: „Und wäre es auch ſo— wäre meine Hoffnung ver⸗ meſſen— ſollte ich mich über mich ſelbſt getäuſcht haben
— ſollte ich bei einem höheren Licht mein Herz und mei⸗
nen Wandel anders beleuchtet ſehen, als jetzt, o ſo ſei mir das Licht willkommen, das mir meine Finſterniß zeigt! Willkommen die heilige Gerechtigkeit, die meine Fehler beſtraft! Ewige, heilige, herrliche Wahrheit, willkommen! ſei es auch mir zur Demüthigung. Dich will ich— dich liebe ich— dich ſuche ich allein! Die tiefſte Qual iſt mir erwünſcht, wenn ſie mich gereinigt zu dir führen kann. O mein Freund! Laſſen Sie mich fröhlich ſein, laſſen Sie mich mit Jubel meine Stimme erheben! Meine Hoffnung und meine Freude beruhten ja auf dem Glauben an Ihn, den Allmächtigen, den Getreuen, auf meinen Glauben, daß er durch Freude und Leid, im Guten und im Boͤſen alle Seelen zu ſich führen, daß Alle ihn und ſeine Wahrheit werden erkennen dürfen.“
„Edla, verzeihen Sie mir!“ ſagte Profeſſor A., und ſeine Wange wurde bleicher, während ſein Blick die Klar⸗ heit in dem ihrigen ſah.
Aber freundliche Bilder und Hoffnungen ſchienen Edlas Seele ganz und gar einzunehmen. Sie wandte ſich mit einem heitern Lächeln an A. und ſagte:
„Iſt es nicht merkwürdig, mein Freund, wie Philo⸗ ſophie und Religion ſich vereinigen, um in einem für unſer Herz ſo wichtigen Punkte Licht über unſer zukünf⸗ tiges Leben zu werfen? Die Forſchungen der Vernunft zeigen uns, daß Zeit und Ewigkeit nicht— wie man ge⸗ woͤhnlich glaubt— zwei getrennte Welten oder Leben
Bremer, Rina. 32


