geliebten Himmelslichtern empor und ſagte:„Bald werde ich euch näher ſein!“ Sie ſah Nina an, winkte ſie zu ſich und küßte die Thränen von ihren Wangen weg. Jetzt er⸗ blickte ſie auch die, die in Profeſſor A's. Auge ſtanden. Sie reichte ihm die Hand und ſagte:
„Wenn Sie wüßten, mein Freund, welche ſüße Hoff⸗ nung, welche freundliche Erſcheinungen mich in dieſem Augenblick umgeben— Dank ſei es der ewigen Liebe, die den Tod mit ihrem Lichte durchdrungen hat!— Sie würden ſich mit mir freuen.“
Profeſſor A. ſchwieg, und Evla fuhr nach einer kur⸗ zen Pauſe fort:„Ich habe ſagen gehört, daß wir hier auf Erden nur den zwanzigſten Theil des Lichtes ſehen, das über der Atmoſphäre der Erde iſt. Dieſer Gedanke macht mir eine ganz beſondere Freude. Mein Freund! Iſt es wohl eine vermeſſene Hoffnung, daß, wenn wir den Dunſtkreis dieſer Erde verlaſſen, das Blatt der unſterb⸗ lichen Lehre, auf welche wir liebevoll unſere Blicke ge⸗ heſtet, von einem höheren Licht beſtrahlt und ſeine Be⸗ deutung uns deutlicher ſein werde? Sie wenden ſich ab— Sie ſind mißvergnügt— A., mein werther Freund, ſagen Sie mir, warum?“
„Ich will es Ihnen ſagen, Edla,“ antwortete Pro⸗ feſſor A.„Jeder Ihrer Gedanken, jedes Ihrer Gefühle iſt mir in dieſem Augenblick von unendlicher Wichtigkeit, und ich thäte Unrecht, wenn ich Anſtand nähme, auch mit einem harten Worte die Klarheit derſelben hervorzu⸗ rufen. Edla!— Dieſes Jubiliren in der Todesſtunde iſt mir zuwider. Die Lehre, zu der Sie ſich bekennen, for⸗ dert meines Erachtens mehr Demuth. Auf was baut der Chriſt, der ſeine Religion nicht mißverſteht, ſeine Hoff⸗ nung, auf höhere Freiheit und Freude* Iſt es nicht auf die Gewißheit, daß keine Sünde in ſeinem Herzen iſt, keine Finſterniß in ſeiner Seele, die ihn von dem Heiligen trennen könnte? Evla, ich wünſche Ihnen Glück— zu dieſer Sicherheit!“
Edla ſchwieg lange, und als ſie antwortete, ging


