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Es war ſo ſtill darin— und man glaubte ſie öde, aber der Befreier naht, und jetzt hoͤrt man den himmliſchen Vogel ſingen, der ſtumm darin gefangen ſaß. Ach, es gibt Menſchen, die erſt in der Todesſtunde recht zu leben anfangen.
Evlas zerſchmetterte Bruſt und Schulter, ihr ſtarker Blutverluſt, ihre ſchnell abnehmenden Kräfte verboten alle Hoffnung, ja, ſogar jeden Verſuch zu retten. Sie war ſich ihres Zuſtandes klar bewußt, und bat den Arzt, ſie ſo viel als möglich in Ruhe zu laſſen. Er fügte ſich in ihren Wunſch, und ließ ſie nach dem Verbande in eine bequemere Lage in ihr Bett legen. Sie ſah ſehr ruhig, ſehr klar aus. Nur wenn ihr Auge auf Nina fiel, offen⸗ barte ſich darin ein Ausbruck von Schmerz.
„Meine lieben Freunde!“ ſagte ſie mit inniger Herz⸗ lichkeit zu den Umſtehenden,„ſeid nicht betrübt. Stärkt mich in dieſem Augenblick durch eure Ruhe. Was ge⸗ ſchieht denn auch hier mehr, als was überall, alle Tage, alle Stunden geſchieht? Ein Kind der Erde geht heim zu ſeinem himmliſchen Vater; es iſt ja ein einfacher, ein lieblicher Weg, und den wir Alle wandeln müſſen. A., mein guter Freund!..“ und Evlas Blick entfernte bittend die Andern, während ſie Profeſſor A. näher an ihr Kopfkiſſen winkte. Nina allein blieb an ihrem Bette ſitzen, die Uebrigen zerſtreuten ſich im Zimmer. Mit ge⸗ ſenkter Stimme fuhr Edla gegen A. fort:„Warum die⸗ ſer tief betrübte Blck, mein Freund? Ach, laſſen Sie ihn nicht den lichten Tag trüben, der mir durch die Nacht des Todes bereits ſeine Strahlen zuwirft. Ich moͤchte Sie gerne ja, es iſt mir ein Bedürfniß, Sie ruhi⸗ ger zu ſehen. Iſt es jetzt ſo finſter in Ihnen, oder— ſind Sie unzufrieden mit mir? Verbergen Sie in dieſer Stunde keinen Gedanken vor Ihrer Freundin.“
„Edla!“ ſagte der Profeſſor A.,„was wollte ich nicht geben, was wollte ich nicht leiden für die Gewiß⸗ heit, daß der Tag, den Sie ſchauen wollen, wirklich vor⸗ handen iſt— daß er nicht bloß ein Wiederſchein des


