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Nina : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwedischen übersetzt von G. Fink
Entstehung
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reichten ihr die Wogen noch nicht weit über die Kniee, ſie ſchlang ihre ſchneeweißen Arme um das Fenſterkreuz und verblieb ruhig in dieſer Stellung, während der Wind und die Wellen in ihren Haaren und ihren weißen Kleidern wühlten. Nina dachte an Edla. Ein unausſprechliches Gefühl von Reue und Schmerz durchdrang ſie, es ver⸗ langte ſie, ihre Hand zu küſſen, ihre Verzeihung zu er⸗ langen, bevor ſie ſterbe. Sie dachte an Hervey; ſie fühlte, wie unendlich theuer er ihr war; wie bitter es war, von der Welt zu ſcheiden, wo er lebte. Das himmliſche Ge⸗ ſicht gegen die ſtürmiſchen Wolken gewandt, betete ſie für ihn, betete ſie um Erbarmen für ſich ſelbſt.

Hoͤher und höher ſchlugen die Wogen, die Fluth ſtieg mit fürchterlicher Schnelligkeit; Ninas herabgefallenes, reiches helles Haar war von den Wellen gebadet; ſie ſchlugen kalt und mordend über ihrer ſchneeweißen Bruſt zuſammen.„Er kommt, er kommt, der bittere Tod!“ dachte das bebende Opfer.„O meine Pflegmutter! Könn⸗ teſt du mich jetzt ſehen— du würdeſt deinem Kinde ver⸗ zeihen! O Eduard! O Edla!“ und mit einem Ruf der Sehnſucht und des Schmerzens ſtreckte ſie ihre Arme aus, wie zum Abſchied von ihnen, die noch im Tode ihre ganze Liebe beſaßen.

Ein dunkler Punkt bewegte ſich auf den Wellen, ſchien aber nicht von u getrieben zu werden, ſondern ſie vielmehr zu beherrſchen. Nina ſah ihn bebend vor Hoffnung. Er ſank, er ſtieg mit den Wogen, kam aber immer wieder zum Vorſchein, und immer näher und näher. Durch das verworrene Brauſen einſtürzender Häuſer, rufender Stimmen und wilder Wellen glaubte Nina den ruhigen, taktmäßigen Schlag von Rudern zu vernehmen, und als ſie ahnungsvoll und außer ſich rief: „Eduard! Edla!“ da nahte dumpf, aber ſicher, der Hall ihres eigenen Namens ihrem Ohr. Bald wurde er deut⸗ licher.„Nina! Nina!“ rief durch Sturm und Nacht eine wohlbekannte und geliebte Stimme. Wieder ſchien