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Nina : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwedischen übersetzt von G. Fink
Entstehung
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und Verzweiflungsgeſchrei hörte man von mehreren eiten.

Nina erinnerte ſich, von Ueberſchwemmungen gehört zu haben, welche hie und da dieſe Gegenden heimgeſucht*), und begriff ihre Gefahr. Sie ſuchte ſich zu faſſen, um beurtheilen zu können, was ſie zu thun habe. Sie ſtand auf, und indem ſie ſich an der Wand gegen den Wogen⸗ ſchwall aufrecht erhielt, gelangte ſie mit Mühe an die Thüre. Dieſe aber war von außen verſchloſſen und ſie konnte ſie nicht öffnen. Sie rief um Hülfe, aber beinahe ohne Hoffnung, in der allgemeinen Verwirrung gehört zu werden. Sie ſteuerte jetzt auf das Fenſter zu und ſah von da überall Zerſtörung in ihrer ganzen Schrecklichkeit; finſter, gewaltſam und ſtürmiſch bedeckte die Fluth Alles, Bäume wurden umgeriſſen, Trümmer von Häuſern treiben auf den Wogen umher, ſchwimmende Thiere hoben heulend die Köpfe empor und ſchienen um Hülfe zu rufen. Des Mondes ſtiller Strahl lag zuweilen über der Gegend, zeigte aber keinen Retter, die Fluth ſchien Alle überraſcht zu haben, wie Nina. Als Ninas Hülferuf bloß von andern Nothrufen beantwortet wurde, als die Wogen immer höher und höher ſtiegen, da fühlte ſie, daß es ſich jetzt um's Sterben handle. Dieſer Gedanke war ihr bitter, und mit ſchauerlicher Deutlichkeit ging ein Vorgeſchmack von ihrer letzten Stunde durch ihre Seele. Sie fühlte, wie die Fluth bald über ihre Lippen ſteigen und ihr Geſchrei und ihre Bitten erſticken würde; wie ſie die Thränen aus ihren Augen trinken und dieſe zwingen würde, ſich für immer zu ſchließen. Und keine Hand ſollte in dieſer Stunde die ihrige drücken, kein liebender Blick ihr Troſt und Kraft ge⸗ währen!... Nina weinte, und die heißen Thränen ver⸗ ſchwanden in den Wellen. Um ihr Leben ſo lang als mög⸗ lich zu ſichern, ſtieg ſie auf das Geſimſe hinauf. Hier

*) Siehe Hülphers Beſchreibung von Norrland.