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brauſen. Edla ſah zum Himmel hinauf, aber keine Sterne leuchteten an demſelben; Alles war finſter und wolken⸗ verhüllt. Sie dachte an Nina und ihr Herz blutete und ihre Seele war betrübt bis in den Tod. Und es ſchien ihr, als ob nichts Schönes und Gutes im Leben Beſtand habe, als ob keine Freundſchaft, keine Liebe die Probe der Zeit oder Verſuchung auszuhalten vermöchte. Hatte nicht Ninas Herz ſich von ihr gewandt? Wie ein bleiches Geſpenſt ſchaute das Leben aus dieſer finſtern Nacht her⸗ vor und der einzige lebendige Zug in ſeinem Geſichte— war Schmerz.
Aber nur einen Augenblick konnte Edla ſo fühlen, ſo denken. Die Ebbe der Kraft währte nicht lange in dieſer Bruſt. Mit der Macht ihres Willens, mit ihren lichten Gedanken rief ſie ihre Fluth zurück und ihre Seele rich⸗ tete ſich wieder auf. Wie klare Sternbilder ſtiegen in ihr die Erinnerungen an die Worte der Weiſen, an die Thaten der Guten auf. Sie dachte an die Irrgänge des Lebens, an die ewige Liebe, an den Auferſtandenen, an den Getreuen; ſie prüfte ihr eigenes Herz; eine Thräne der Freude fiel auf ſeine Wunde— und ſie wurde ruhig. Noch einmal glänzte der Blick ihrer Gedanken über die unterdrückten Völker, über die Leiden der Menſchen, die am Herzen Schiffbrüchigen, die Verarmten; ſie verſenkte ſich gleichſam in die Leiden Aller; ſie verſtand ſie Alle und ſie drückte die Hände hart an ihre Bruſt und ſprach für Alle, wie für ſich, mit tiefer und ſtiller Kraft die Worte aus:„Glaube! Dulde!“
Und als ſie ihren ruhigen Blick wieder zum Him⸗ mel erhob, ſiehe da theilten ſich die Wolken und die Sterne blinkten freundlich und klar aus dem tiefen Blau über ihr Haupt herab. Evla fühlte ſich belebt und geſtärkt. Stille betrachtete ſie die geliebte Him⸗ melslichter, bis ſie auf's Neue von Wolken überzogen wurden. Dann ging ſie, um einige Anordnungen für Graf Ludwigs Empfang zu treffen, und nie war


