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kraftlos herab, ihr Gang war unſicher, ihr Weſen ent⸗ behrte ſeiner gewöhnlich ſo ruhigen Haltung— es war in ihrer Bruſt Etwas zerriſſen worden. Arme Edla!
Ein feuchter Wind ſauste ſtoßweiſe in den Tannen; dazwiſchen hinein herrſchte eine Todtenruhe. Regentropfen fielen ſchwer und in langen Zwiſchenräumen. Dumpf brauste hinter ihr das Meer. Sie ging langſam den Weg hinan zwiſchen den Bergen. Die Grille ſang im Graſe und das Johanniswürmchen ſchlug dort ſeinen kleinen klaren Ring, aber Edla bemerkte es nicht. Ihr Weg ſchien ihr ſchwer und lang.
Auf ihrem Zimmer angekommen ſchien ihr die Luft erſtickend zu ſein. Sie riß die Fenſter auf, ſah in den weiten Raum hinaus und athmete tief.
Alles düſter rings umher. Das Meer war ſtürmiſch und ſchwarz. Schwer, formlos, zerriſſen, häßlich, ſchwarz⸗ grau hingegen die Wolken darüber und bedeckten das ganze Himmelsgewölbe. Nur am Horizont zog ſich ein ſchmaler, blutrother Gürtel hin, aber ohne Glanz und ohne Klarheit. Allmälig verdunkelte er ſich und verſank in die Nacht, und Alles war öde in der Gegend, aber ein unruhiger Geiſt ſchien darüber zu ſchweben und ſeine un⸗ ſichtbaren, unheilwehenden Schwingen zu bewegen.
Still ſtand die hohe Edla da und betrachtete die nächtliche Welt, die in dieſem Augenblick ein treues Bild ihres Innern war. Ein Gefühl von der Schwere des Lebens, von der Bitterkeit des Schmerzes, das Ge⸗ fühl, das ihr in der Jugend ſo wohl bekannt geweſen und das ſie ſchon lange von ſich entfernt gehalten, kehrte in dieſem Augenblick mit Bleigewicht in ihre Bruſt zurück. Sie dachte an die vielen Menſchenleben auf Erden, die ohne Freude dahinſchwinden; an die langen Abende und Nächte der Betrübten. Sie dachte an Nationen, deren Leben Jahrhunderte lang dieſer Nacht geglichen;— ihr Leben eine Nachtwanderung, ihr einziges Licht ein blu⸗ tiges, ihre Ruhe— Schwüle, ihr Athmen— Sturmes⸗


